Oder in einem Brot-produzierenden Unternehmen?
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Aus der täglichen Arbeit wissen wir, dass Beschäftigte im Backgewerbe viele Fragen rund um ihr Arbeitsverhältnis haben. Wir haben daher für alle, die in dieser Branche arbeiten eine Hotline eingerichtet. Unsere Kolleginnen und Kollegen stehen montags bis freitags in Zeit von 10 bis 20 Uhr und Samstag von 10 bis 15 Uhr für alle Fragen gerne zur Verfügung. Die Rufnummer lautet: 040-380 13 265. Wir freuen uns auf Ihren Anruf!
Minijobs im Backgewerbe
Gerade im Backgewerbe: Minijobs verdrängen reguläre Beschäftigung.
Januar, 2012. Die so genannten „Minijobs“ haben eine Sonderstellung, bis zu einer Grenze von 400 Euro (daher auch die Bezeichnung „400-Euro-Job“) entfällt für die Beschäftigten die normale Sozialversicherungspflicht. Was als bürokratiearme Zuverdienstmöglichkeit für Studenten, Hausfrauen, Rentner und Arbeitslose und als Brücke aus der Arbeitslosigkeit in reguläre Beschäftigung gedacht war, hat sich längst großflächig ausgeweitet. Minijobs ersetzen heute vielfach reguläre, „normale“ Arbeitsverhältnisse.
Minijobs meist Billigjobs
Auch Minijobs kosten den Arbeitgeber Geld, sie sind für ihn aber regelmäßig billiger als reguläre Beschäftigungsverhältnisse: Problem erkannt – Problem gebannt: Vollzeitangestellte werden entlassen und stattdessen Minijobberinnen und Minijobber eingestellt. Im Vergleich zu ihren regulär beschäftigten Kolleginnen und Kollegen verdienen Minijobber meist deutlich weniger. Im Durchschnitt aller Branchen verdienen Minijobber weniger als neun Euro in der Stunde, das ist weniger als die Hälfte dessen, was Vollzeitbeschäftigte im Schnitt bekommen.*
Besonders betroffen: Das Backgewerbe
Nach dem rasanten Anstieg in den letzten Jahren, gibt es in Deutschland inzwischen 7.4 Millionen Minijobs – das sind 20 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse. Im Backgewerbe sind die Zahlen noch dramatischer. Hier sind sogar 30 Prozent aller Beschäftigten Minijobberinnen und Minijobber. Die Branche hat sich stark gewandelt: Das Erstarken der Lebensmitteldiscounter, die Backwaren zu absoluten Niedrigstpreisen anbieten, und veränderte Verbrauchergewohnheiten haben einen Verdrängungswettbewerb gestartet. Die Folge ist eine abnehmende Zahl von Betrieben bei gleichzeitigem Wachstum einiger weniger Großbetriebe mit stark rationalisierten Produktionsabläufen. Das hat die Art der Beschäftigung in der Branche verändert: Nur noch eine kleiner Teil der Beschäftigten arbeitet in der Produktion, der absolute Großteil im Verkauf.
Unbezahlte Mehrarbeit
Unter den Bäckereifilialen der Großbetriebe herrscht harte Konkurrenz. Der Kampf um Kunden – die offenbar oft Preis über Qualität stellen – wird untereinander und gegen die Discounter geführt. Leidtragende sind dabei oft die Beschäftigten, vor allem diejenigen mit Minijobs. In vielen Filialen treten unbezahlte Mehrarbeit, zum Beispiel das Aus- und Aufräumen der Verkaufsflächen nach Ladenschluss, häufig auf. Gerade in den Stoßzeiten werden hier gerne Minijobber eingesetzt, sie gelten scheinbar als besonders „flexibel“. In den Fällen von unbezahlter Mehrarbeit verweisen Arbeitgeber auf die Verdiensthöchstgrenze von 400 Euro. Die mit dem Minijobber vereinbarte Stundenzahl – die gesetzliche Reglung, wonach ein Minijobber höchstens 15 Stunden in der Woche arbeiten darf wurde vor Jahren gestrichen – wird entweder gar nicht genau erfasst, oder ignoriert. Die 400-Euro-Grenze kann also als Vorwand der unbezahlten Mehrarbeit herangezogen werden. Motto: „Ich darf nun einmal nicht mehr bezahlen, das weißt Du doch.“ Aus Angst vor dem Jobverlust fügen sich viele der Minijobberinnen und Minijobber. Bei Berücksichtigung der effektiv gearbeiteten Stunden liegt der Stundenlohn dann deutlich unter den Tarifvertraglich festgeschriebenen Löhnen. Das ist dem Arbeitgeber zwar verboten, aber Realität.
Keine Brücke, sondern Falle
Längst ist bewiesen, dass es eine Illusion ist, dass Minijobs eine vielversprechende Ein- und Aufstiegschance bieten. In vielen Branchen – auch dem Backgewerbe – werden kaum noch andere Anstellungsarten angeboten. Wohin sollen die Minijobber also „aufrücken“? In der Realität verweilen die meisten Minijobber lange Zeit in der „Minijobfalle“. Das hat auch drastische Folgen für ihre späteren Rentenansprüche. Altersarmut ist hier in vielen Fällen eine ganz zwangsläufige Folge, da Minijobs kaum eine eigenständige soziale Absicherung bieten. Es ist auch falsch, dass Minijobs vor allem eine Möglichkeit des bürokratiearmen, einfachen Zuverdienstes sind: Für den Großteil, nämlich rund 4,8 Millionen der 7,4 Millionen Minijobber in Deutschland, stellt der Minijob die einzige Erwerbstätigkeit dar.
Minijobs nicht reformieren, sondern abschaffen
NGG fordert die Abschaffung der Minijobs. Auch die geplante Reform der Minijobs – als Obergrenze sollen jetzt 450 Euro gelten – kann am grundsätzlichen Punkt nichts ändern: Deutschland braucht nicht viele kleine (Mini-) Jobs, sondern mehr echte, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Nur reguläre Beschäftigung kann ein genügend hohes Auskommen für ein selbstbestimmtes Leben oberhalb der Armutsgrenze – heute und im Alter – bieten.
* Alle Zahlen beruhen auf aktuellen Untersuchungen der Hans-Böckler Stiftung und NGG.
4. August 2011: Warnstreik bei Lantmännen Unibake in Suhl
Am 4. August 2011 traten die Beschäftigten des Tiefkühlbackwarenherstellers Lantmännen Unibake im thüringischen Suhl in einen mehrstündigen Warnstreik. Auch in der zweiten Verhandlung über einen neuen Haustarifvertrag für die rund 80 Beschäftigten hatte der Arbeitgeber ein völlig unzureichendes Angebot vorgelegt.
23. Juni 2011: Warnstreik bei GBM Backhaus GmbH & Co.KG Meerane
23 Kolleginnen und Kollegen der GBM Backhaus GmbH & Co.KG Meerane haben am 23.06.2011 einen 4-stündigen Warnstreik aus Anlass der aktuellen Tarifverhandlungen durchgeführt. Das Angebot des Arbeitgebers, das Entgelt in drei Schritten um 2,75% zu erhöhen, ist völlig unzureichend. In dieser Firma wird weniger verdient als die aktuellen Leistungen nach SGB II. Die Kolleginnen und Kollegen wollen ´raus aus Hartz IV, sie wollen Löhne zum Leben!
5. Mai 2011: „WarnWache“ bei Lieken im westfälischen Lünen.
Mit „WarnWachen“ im sächsischen Radefeld und im westfälischen Lünen haben NGG und Beschäftigte des Brot- und Backwarenherstellers Lieken in der ersten Mai-Woche 2011 erneut Druck gegen geplante Werksschließungen in Achim und Bernau gemacht.
Bäckerhandwerk Baden-Württemberg
1. Februar 2011: Nach langen Verhandlungen hat sich die Gewerkschaft NGG mit der gemeinsamen Tarifkommission des Bäckerinnungsverbandes Baden und des Landesinnungsverbandes für das württembergische Bäckerhandwerk erstmals seit 15 Jahren wieder auf einen Lohn- und Gehaltstarifvertrag für die rund 30.000 Beschäftigten im Bäckerhandwerk Baden-Württemberg verständigt.
Ab 01.09.2010 gilt für alle Auszubildenden im Bäckerhandwerk ein neuer Tarifvertrag. Die Tarifkommission der NGG konnte in langen Verhandlungen mit den Arbeitgebern einiges erreichen.
15.03.2011: “Feuer und Flamme für unsere Arbeitsplätze“
08.03.2011: Beschäftigte wollen nicht nur „kleine Brötchen“ backen
21.02.2011: Billigbrot zerstört Arbeitsplätze