Warnstreiks bei Deutsche See
10. Mai 2011: Warnstreik bei „Deutsche See“, Manufaktur Hamburg (Feinkostmarke Beeck).
Die Beschäftigten mehrer Standorte des Fischverarbeiters „Deutsche See“ protestierten am 10., 11. und 12. Mai 2011 mit Warnstreiks im gesamten Bundesgebiet für angemessene Tariferhöhungen. Zuvor waren die Tarifverhandlungen aufgrund der parallelen Vertragsverhandlungen mit dem Kunden „Nordsee“ mehrfach ergebnislos vertagt worden. Am 4. Mai schließlich hatte der Arbeitgeber alle Angebote zurückgezogen und gedroht, das Unternehmen auf Kosten der Beschäftigten umstrukturieren zu wollen.
Fischindustrie Bremerhaven/Cuxhaven
7. Juni: Warnstreik bei Frozen Fish International in Bremerhaven
Nach einem Warnstreik der Beschäftigten für spürbare Lohnzuwächse bei Frozen Fish International in Bremerhaven präsentierte die NGG-Tarifkommission am 8. Juni 2010 ein Verhandlungsergebnis: Die Entgelte für die ca. 1.700 tarifgebundenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Fischindustrie in Bremerhaven und Cuxhaven steigen um jeweils 2,3 Prozent: zum 1. Juli 2010 und zum 1. Mai 2011.
„Immer Mehr“
Der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch liegt in Deutschland bei ungefähr 14 Kilogramm. 8.547 ArbeitnehmerInnen haben im Jahr 2005 in 87 Betrieben der Fischindustrie dafür gesorgt, dass genügend Fisch auf den Tellern der VerbraucherInnen landet. 1999 waren es noch 10.408 Menschen in 104 Betrieben. Einschließlich Fischerei, Fischhandel und weiterer Bereiche finden derzeit 42.551 Menschen in der Fischbranche Beschäftigung.
Wie im Jahr 2000 wurde auch 2005 ein Umsatz von 1,84 Milliarden Euro in der Fischindustrie erwirtschaftet. Beachtlich sind die Außenhandelsbeziehungen: 18,1 Prozent des Umsatzes gehen in den Export. Andererseits werden nur 15 Prozent der Fische in Deutschland „angelandet“, während 1,7 Millionen Tonnen importiert werden. Deutschland ist also weniger Fischereiland als Verarbeitungsland.
Kurzfristiges Profitinteresse
In kaum einem anderen Bereich wird die Gefährdung der Umwelt so deutlich wie im Fischsektor. Konnten in der östlichen Ostsee im Jahr 1984 noch 392.000 Tonnen Dorsch gefangen werden, waren es 2002 nur noch 87.000 Tonnen. In dieser Bestand gefährdenden Situation hat die Europäische Kommission im Rahmen ihrer „Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP)“ 2003 in der Ostsee ein Fangverbot für Dorsch verhängt. Gleiche Maßnahmen sind für ein halbes Jahr wegen dramatisch sinkender Sardellenbestände in der Biskaya durchgeführt worden. Auch der Europäische Aal ist gefährdet. Überfischungen gibt es auch bei Kabeljau und Seezunge.
Das kurzfristige Profitinteresse und die Kurzsichtigkeit verschiedener Wirtschaftsbeteiligter gefährden nicht nur Tierarten, sondern in der Folge auch Arbeitsplätze in Fischerei und Fischverarbeitung. Michael Bergstreser; NGG-Referatsleiter: „Die Gefährdung von Arbeitsplätzen hat ihre Ursache nicht nur im Meer, sondern auch im ‚Immer Mehr‘. Die Maßlosigkeit an Land in Bezug auf Umsätze und Gewinne kennt oft keine Grenzen.“ So habe der Unilever-Konzern schlimme Schlagzeilen produziert, als bekannt wurde, dass er sich von Frozen Fish International (FFI) in Bremerhaven, dem größten Fisch verarbeitenden Betrieb Deutschlands trennen wolle. Viele Hundert ArbeitnehmerInnen stünden vor einer ungewissen Zukunft: „Ihre gute Arbeit, gute Produkte, gute Umsätze und gute Gewinne waren der Konzernmutter nicht ausreichend. Beschäftigte, Betriebsrat und NGG werden nicht tatenlos zusehen, sondern für eine dauerhafte, verantwortungsvolle und Bestand erhaltende Lösung kämpfen.“
Info: hv.genuss@ngg.net