In einem Hintergrundartikel berichtet die Financial Times Deutschland (FTD) über die prekäre Lage auf deutschen Schlachthöfen, wo laut Ermittlungen des Zolls eine Zunahme illegaler Beschäftigung osteuropäischer Mitarbeiter und Lohndumping zu beobachten sei.
Nach Schätzungen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) seien allein in der Fleischwirtschaft mehr als 15.000 Beschäftigte aus Osteuropa - 90 Prozent von ihnen illegal - beschäftigt. Mit der EU-Osterweiterung seien zunächst zahlreiche Mitarbeiter aus Polen, Ungarn und der Slowakei nach Deutschland gekommen. Mit der jüngsten EU-Erweiterungsrunde habe sich die Lohndumpingspirale jetzt weiter südostwärts gedreht. Arbeitskräfte aus Rumänien und Bulgarien würden für Stundenlöhne von zwei Euro und weniger arbeiten. Da könnten deutsche Kollegen nicht mithalten, argumentiert Matthias Brümmer, Geschäftsführer der NGG-Region Oldenburg.
Dem deutschen Zoll sei bei der Kontrolle und Ermittlung gegen illegales Lohndumping und Schmutzkonkurrenz-Praktiken die Hände gebunden. Gültige Arbeitspapiere würden in den Entsendeländern oft ohne eingehende Prüfung ausgestellt. Und eine Kooperation mit den EU-Neulingen befinde sich in diesem Bereich erst noch im Aufbau.
Die Gewerkschaften forderten deshalb die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns für alle Beschäftigten in Deutschland sowie eine Steuer- und Sozialversicherungspflicht für ausländische Arbeitskräfte. Tariflich festgelegte Lohnuntergrenzen, welche von Vertretern der Bundespolitik angedacht seien, wären mangels „geeigneter Tarifstrukturen“ für die Fleischbranche unzureichend, resümiert die FTD.
Artikel zum Nachlesen im Internetangebot der Financial Times Deutschland