In den letzten Jahren wird in Deutschland wieder eine Diskussion über die Unternehmensmitbestimmung geführt, die von Vertretern der Wirtschaft mit Unterstützung einiger Rechtswissenschaftler initiiert wurde. Der Vorwurf, der von dieser Seite erhoben wird, ist, dass das deutsche Mitbestimmungsmodell zu weitgehend sei und sich negativ auf den Wirtschaftsstandort Deutschland auswirke. Diese Behauptung deckt sich nicht mit den tatsächlichen Feststellungen. Nach einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin, in der Mitbestimmungsmodelle in der EU und die wirtschaftliche Lage des jeweiligen Landes näher untersucht wurden, stehen Länder mit ausgebauter Mitbestimmung wirtschaftlich besser da als andere. Mitbestimmung hat keine negative ökonomische Wirkung.
Auch für die Zukunft wird es darauf ankommen, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in ihrem Unternehmen engagieren. Mitbestimmung steht für eine kooperative Unternehmenskultur. Nur Unternehmen, in denen sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einbringen können, haben Voraussetzungen für die nötigen Innovations- und Veränderungsprozesse. Mitbestimmung schafft Vertrauen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Veränderungen mit tragen und diese nicht als Bedrohung verstehen.
Einen wichtigen Beitrag leistet die Mitbestimmung weiterhin für die effektive Kontrolle der Unternehmenstätigkeit. Eine effektive und demokratische Kontrolle wirtschaftlicher Macht geht nicht ohne eine paritätische Mitbestimmung im Aufsichtsrat. Betriebliche und außerbetriebliche Arbeitnehmervertreter/innen garantieren eine unabhängige und effiziente Kontrolle von Unternehmenstätigkeit. Aktuelle Studien zur Corporate Governance (gute Unternehmensführung) bestätigen den Wert der Mitbestimmung: So zeigt sich, dass die Arbeitnehmervertreterinnen und –vertreter im Aufsichtsrat über tiefere Kenntnisse des Unternehmens verfügen als die Vertreter der Anteilseigner und die Auswirkungen von Entscheidungen auf das Unternehmen besser einschätzen können. Und auch die Vertreter der Kapitalseite beobachten, dass die Arbeitnehmervertreterinnen und –vertreter häufig besser vorbereitet in die Sitzung gehen.
Mitbestimmung unterstützt eine an Kriterien der sozialen und ökologischen Verantwortung ausgerichtete Unternehmenspolitik. Mitbestimmung ist Sand im Getriebe des Turbokapitalismus. Betriebsräte und Arbeitnehmervertreter/innen im Aufsichtsrat leisten einen wichtigen Beitrag zu einer sozial und ökologisch verantwortungsvollen Unternehmenspolitik. Sie sind ein Garant gegen eine rein auf die Maximierung des Shareholder-Value ausgerichtete Unternehmenspolitik. Ökonomische Studien bestätigen, dass an Nachhaltigkeit orientierte Unternehmen langfristig erfolgreicher sind als solche Unternehmen, die ausschließlich das Ziel einer kurzfristigen Gewinnmaximierung verfolgen.