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In der Verantwortung: vom Anfang bis zum Ende

Begehrte Zutat vieler Süßwaren. Bei der Haselnussernte sind Kinderarbeit und Ausbeutung seit Jahren ein bekanntes Problem. Foto: pixelio_segovax

 

Immer wieder machen Medienberichte über schlimme Arbeitsbedingungen in der Produktionskette von in Deutschland verkauften Süßigkeiten die Runde. Aktuell sorgt der Beitrag „Die Haselnusskinder: Für einen Hungerlohn im türkischen Hochland“  für Furore. Und das zu Recht: In klaren und drastischen Bildern wird hier die Ausbeutung kurdischer Wanderarbeiter während der Haselnussernte in der Türkei gezeigt. Ganze Familien – Mütter, Väter und Kinder – arbeiten jedes Jahr für niedrigste Löhne in der Haselnussernte. Eine Alternative haben sie nicht.

 

 

Auch in Deutschland produzierende Unternehmen der Süßwarenbranche haben die miserablen Arbeitsbedingungen bisher nicht verhindert. Je billiger der wichtige Rohstoff Haselnuss, desto höher der Gewinn beim Verkauf des süßen Endprodukts. Die NGG hat eine klare Position: Insbesondere die deutsche Süßwarenindustrie steht in der Verantwortung – vom Anfang bis zum Ende. Sie ist in der Pflicht, für soziale Arbeitsbedingungen und ökologisch verantwortungsbewusstes Handeln zu sorgen. Von Anfang an, das heißt vom Anpflanzen der Haselnusssträucher in der Türkei und anderswo, bis zum fertigen, in Deutschland verkauften Produkt.

 

Die Vergangenheit hat belegt: Es reicht nicht aus, lose Absichtserklärungen abzugeben und die Verantwortung an ausländische Lieferanten abzuschieben. Das Problem der Kinderarbeit und der gnadenlosen Ausbeutung von Erntehelfern in der türkischen Haselnussernte ist seit Jahren bekannt. Geändert hat sich wenig.

 

Das fehlende Verantwortungsbewusstsein wird Konsequenzen haben: Das soziale und ökologische Bewusstsein in Deutschland wächst stetig. Unternehmen, die sich ihrer moralischen Pflichten entziehen, werden über kurz oder lang vom Kunden abgestraft werden. Dass ein in Deutschland vertriebenes Produkt unter den im Fernsehbericht dargestellten Bedingungen hergestellt wird, ist inakzeptabel. Dass Kinderarbeit offensichtlich eine Rolle spielt bei der Herstellung eines Produktes, welches vor allem von Kindern konsumiert wird – das ist obszön.

 

Die NGG fordert die Unternehmen der Süßwarenbranche auf, sich endlich konsequent und nachhaltig für faire Arbeitsbedingungen – entlang der gesamten Produktionskette – einzusetzen. Mehr oder weniger scheinheilige Erklärungen und müde Versprechen reichen längst nicht (mehr) aus und werden der Branche über kurz oder lang auf die Füße fallen. Das immer wieder von der Industrie gebrachte Argument des wachsenden Preisdrucks kann hier nicht gelten. Ob hochwertiges und teuer verkauftes Markenprodukt oder „Billigware“: die verarbeiteten Haselnüsse kommen fast immer aus den gleichen Anbaugebieten und werden unter den selben (schlechten) Bedingungen geerntet.

 

Kinderarbeit und Hungerlöhne sind nicht nur bei der Haselnussernte zu beobachten. Ob im Kaffeeanbau oder der Kakaoerzeugung, die Bedingungen, unter denen im Anbauland gearbeitet werden muss, spotten oft jeder Beschreibung. NGG macht auf diese Missstände seit Jahren aufmerksam und fordert dringend die Einhaltung und bessere Überwachung (!) der bestehenden gesetzlichen Regeln. Bereits vor zehn Jahren, im September 2001, unterzeichneten die betroffenen Industrien, die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO), sowie Nichtregierungsorganisationen und Verbände von Beschäftigten und der Verbraucher, das „Harkin-Engel-Protokoll“. Sie verpflichteten sich, für das Ende der schlimmsten Formen der Kinderarbeit in der Kakaoindustrie zu sorgen. Würden sich alle an die vereinbarten Regeln und Gesetze halten, wäre wenigstens dort – in der Kakaoerzeugung – Ausbeutung und Kinderarbeit vorbei. Dem ist nicht so.

 

Kommentar: Jonas Bohl 

Kritik, Wünsche, Anregungen per Email an: jonas.bohl@ngg.net

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