Prekäre Arbeit

Deliveroo: Betriebsräte wieder einstellen!

DGB-Kongress erklärt sich solidarisch mit Lieferdienst-Beschäftigten

Klares Signal an Deliveroo: Der DGB-Kongress fordert die Wiedereinstellung der Betriebsräte. Foto: DGB/ Simone M. Neumann

16.05.2018

Vor einem Jahr gegründet – seit einer Woche ist auch der zuletzt verbliebene Betriebsrat Orry Mittenmayer ohne Job, denn alle Arbeitsverträge beim Lieferdienst Deliveroo waren befristet. Mit Standing Ovations haben heute die Delegierten und Gäste des DGB-Kongress Orry und Sarah Jochmann, die auch für Deliveroo lieferte, begrüßt und einhellig eine Resolution verabschiedet: Solidarität mit den Beschäftigten und Betriebsräten von Deliveroo! 

Michaela Rosenberger verdeutlichte die prekären Arbeitsbedingungen bei Deliveroo, die eher denen des 19. Jahrhunderts entsprechen: Fahrerinnen und Fahrer müssen ihre Arbeits- und Kommunikationsmittel wie Fahrräder, Outdoor-Kleidung und Smartphones selbst anschaffen, instandhalten und ersetzen. Damit wird faktisch der gesetzliche Mindestlohn unterlaufen. Wenn die Beschäftigten angestellt werden, werden sie oft durch sachgrundlose Befristungen in ständiger sozialer Unsicherheit gehalten. Nach dem Auslaufen der Arbeitsverträge wurde den meisten eine Tätigkeit als Solo-Selbständige angeboten: Damit verlieren sie ihre Arbeitnehmerrechte wie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Anspruch auf Urlaub und landen in sozialer Unsicherheit.  

Das Parlament der Arbeit hat Deliveroo aufgefordert: Betriebsräte wieder einstellen! Mitbestimmung anerkennen! Sachgrundlose Befristung unterlassen. Denn „Fair fährt’s besser!“

Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil hat dem Parlament der Arbeit versichert: „Wir werden der sachgrundlosen Befristung einen Riegel vorschieben!“

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Du willst unterstützen?

Auch du kannst dem Management zeigen, was du von den Arbeitsbedingungen bei Deliveroo hältst:

  • Kopiere untenstehenden Text in eine E-Mail und schicke sie an info@deliveroo.de
  • und/oder kopiere untenstehenden Text und poste ihn als Kommentar auf der Facebook-Seite von Deliveroo: Facebook.com/deliverooDE 

Oder ganz altmodisch: Protestbrief herunterladen, ausdrucken und unterschreiben und per Post an:

Deliveroo Germany GmbH
Schlesische Straße 26
10997 Berlin

Protestbrief herunterladen (PDF)

Protestbrief herunterladen (word.doc)

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An die

Geschäftsführung
Deliveroo Germany GmbH
Schlesische Straße 26
10997 Berlin
E-Mail:
info@deliveroo.de

  

Betreff: Wiedereinstellung der Betriebsräte; Arbeitsbedingungen der Kuriere

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus der umfangreichen Medienberichterstattung der letzten Wochen habe ich von den erschreckenden Arbeitsbedingungen der Kuriere bei deliveroo erfahren. Ich bin empört, dass sie die befristeten Arbeitsverträge der Betriebsräte nicht erneuert haben. Menschen, die sich für ihre Kolleginnen und Kollegen einsetzen und für die Rechte von Beschäftigten kämpfen, stehen vor dem beruflichen Nichts. Sie haben damit den Betriebsrat, ein wesentlicher Baustein der betrieblichen Mitbestimmung in Deutschland, mutwillig zerstört.

Ganz offenbar steht ihre Personalpolitik in einem krassen Widerspruch zu den Behauptungen auf ihrer Homepage: „Die Kuriere sind uns sehr wichtig. Wir sind das erste On-Demand-Unternehmen, das sich gegen die aktuellen Abstriche im Arbeitsrecht zwischen Flexibilität und Sicherheit im Beruf einsetzt. Wir wollen eng mit den Regierungen in den jeweiligen Ländern zusammenarbeiten, um hier Lösungen zu finden.“

Ihre Kuriere fahren nicht, wie sie behaupten, zu fairen Arbeitsbedingungen mit unbefristeten Arbeitsverträgen. Statt Sicherheit für Beschäftigte und geregelte Arbeitsverhältnisse setzen sie auf Schein-Selbstständigkeit. Damit fügen sie den Beschäftigten und ihren Familien großen Schaden zu wie auch den Sozialversicherungssystemen in Deutschland.

Ich fordere Sie auf:

  • Stellen Sie alle Betriebsräte sofort wieder ein!
  • Bieten sie allen Kurieren unbefristete Arbeitsverträge an
  • Respektieren Sie die geltenden Gesetze und unsere Mitbestimmung.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

Hubertus Heil begrüßt Sarah und Orry. Alle Fotos: DGB/Simone M. Neumann
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Beeindruckende Unterstützung der NGG-Delegation und der DGB-Jugend
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Gelebte Solidarität
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Michaela Rosenberger: "Wir brauchen den politischen Druck."
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Michaela Rosenberger: "Ihr macht Mut."
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Orry war bis vorige Woche Betriebsrat von Deliveroo und hat derzeit keinen Job.
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Hubertus Heil (rechts): "Sachgrundloser Befristung einen Riegel vorschieben."
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Hubertus Heil versprach Unterstützung.
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