Skandalöse Ausbildungsstellenbilanz - Mut zum Handeln erforderlich

München – 22. Juli 2006.

Mehr Mut zum Handeln forderte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Michaela Rosenberger, auf einer Veranstaltung ihrer Organisation am Samstag in München. „Die Zahl der nicht vermittelten Ausbildungsplatzbewerber steigt Jahr für Jahr. Zum Ausbildungsbeginn werden zwischen 30.000 und 50.000 junge Menschen auf der Straße stehen. Derzeit liegt die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot bei 275.000 Ausbildungsplätzen. Wenn Arbeitgeber und Regierung dann behaupten, der Ausbildungspakt habe sich ‚kolossal bewährt’, kann man dies nur als zynisch gegenüber den Betroffenen und deren Familien bezeichnen. Wir fordern Wirtschaftsminister Glos auf, aus seinem Winterschlaf zu erwachen und auf die enormen Herausforderungen zu reagieren“, erklärte Rosenberger.

In der Tat zeichnet sich in diesem Jahr eine katastrophale Situation ab: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen liegt um 3,1 Prozent niedriger als im Vorjahr.
Doch die Situation sei noch weit schwieriger: Bei den Agenturen und den Kammern werden nur noch solche Bewerber als einen Ausbildungsplatz suchend geführt, die bestimmte Kriterien erfüllen. Alle anderen tauchen in der Bewerberstatistik nicht mehr auf. Und viele Jugendliche, die in den letzten Jahren keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, haben schon längst resigniert und schlagen sich mit Hilfsarbeiten und staatlicher Förderung durchs Leben.

Auch in Bayern sei die Welt längst nicht in Ordnung. Zum Juni 2006 warteten immer noch mehr als 50.000 Bewerber auf ihre Vermittlung. Dies sei kein Wunder, da auch in Bayern die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr um 1.324 Stellen zurückgegangen sei.

Angesichts dieser dramatischen Situation forderte die NGG-Vize: „Statt den unsinnigen Vorschlägen nach Kürzungen der Ausbildungsvergütungen das Wort zu reden, muss dringend gehandelt werden. Der Pakt für Ausbildung ist gescheitert. Die Zahl der ausbildenden Betriebe ist zu erhöhen. Hierfür liegt der Bundesregierung der Gesetzentwurf zur Umlagefinanzierung vor. Wer in dieser Situation ernsthaft etwas bewegen will, kommt an einer gerechten Finanzierung der dualen Berufsausbildung nicht vorbei“, so Rosenberger.

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