Hamburg, 17. Juni 2008.
„Es ist an der Zeit, dass sich Arbeitgeber und Politik zu ihrer Verantwortung bekennen, statt ständig über schlechte Schulleistungen und nicht ausbildungsfähige Bewerberinnen und Bewerber zu lamentieren“, so die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Michaela Rosenberger. „Ich halte es für unverantwortlich, dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag behauptet, sie könnten mehr Ausbildungsplätze anbieten, wenn die Jugendlichen besser qualifiziert von der Schule kämen. Vielleicht sollte sich der DIHK auch einmal die Frage stellen, was seine Betriebe denn dafür tun, dass nicht nur olympiareife Bewerberinnen und Bewerber eine Chance auf dem Ausbildungsstellenmarkt bekommen“, so Rosenberger weiter.
Schon mit einem mittleren Bildungsabschluss seien die Chancen gering, wie der Bildungsbericht der Bundesregierung mit erschreckenden Zahlen belege. Rosenberger fordert daher von den Unternehmen mehr Eigenverantwortung: „Die Problematik der unterschiedlichen Zugangsniveaus in der dualen Ausbildung ist von schulischer Seite alleine nicht zu lösen. Wir brauchen vor allem mehr Betriebe und Unternehmen, die bereit sind, auch Auszubildende einzustellen, die eben ein wenig mehr Unterstützung benötigen. Die Zeiten, dass schon in der Ausbildung Erträge erwirtschaftet werden müssen und Auszubildende wenig Betreuung brauchen, sind aufgrund der Demografie vorbei.“
Einen weiteren Punkt für die Bildungsmisere sieht Rosenberger in der mangelnden Transparenz zwischen den verschiedenen Lernorten, insbesondere beim Übergang der Sekundarstufe I zu II und in die beruflichen Schulen: „Viele Berufsschullehrerinnen und -lehrer haben es im ersten Ausbildungsjahr mit Schülern zu tun, von deren Biografien und Leistungsvermögen sie überhaupt keine Ahnung haben. Somit wird ein Unterricht, der sich auch nach den verschiedenen Lernbedürfnissen und Fähigkeiten der Schüler richtet, unmöglich. Hier müssen die Strukturen verändert und letztendlich auch von der Politik die entsprechenden Gelder zur Verfügung gestellt werden.“
Doch selbst das beste Schulsystem der Welt, so Rosenberger, könne nicht bewirken, dass alle Bewerberinnen und Bewerber zu Genies würden: „Die Arbeitgeber werden lernen müssen, dass auch sie wieder verstärkt pädagogische Maßnahmen und Hilfestellungen anbieten müssen, um den Fachkräftebedarf und ihre wirtschaftliche Zukunft zu sichern.“