Aus urheberrechtlichen Gründen ist der Download dieses Bildes nicht möglich.

"Gute Lebensmittel" in den Medien

Der Mensch im Hintergrund

In der Diskussion häufig vergessen: "Hinter" den Lebensmitteln stehen Menschen.

 

„Fettsteuer“, Antibiotika in Geflügel, steigende Preise für Lebensmittel: Das Thema Ernährung wird in den deutschen Medien gerade (wieder) heiß diskutiert. Der am Montag, dem 16. Januar in der ARD ausgestrahlte „Markencheck McDonald’s“, war ein Quotenknüller. Kaum vergeht ein Tag ohne Kochshow im deutschen Fernsehen. „Gute Lebensmittel“ sind im wahrsten Sinn in aller Munde. Ernährung ist ein Thema, das uns auf Schritt und Tritt begleitet. 
 
Ernährung geht uns alle an
 
Ernährung geht uns alle an. Wenig beachtet wird in den Diskussionen aber eines: „Hinter“ unseren Lebensmitteln stehen Menschen. Essen und Trinken werden von Menschen produziert und verkauft, die nötigen Rohstoffe von Menschen angebaut und geerntet. Wer über Lebensmittel redet, sollte nicht die Menschen vergessen, für die die Arbeit mit Lebensmitteln auch Mittel zum Leben ist.
 
Gute Lebensmittel und soziale Aspekte 
 
Die öffentliche Wahrnehmung der Lebensmittelherstellung ist häufig von Problemen, von Verunreinigungen und Skandalen geprägt. Festzuhalten ist aber auch, dass die industrielle Lebensmittelproduktion mit hohen Hygienestandards erst zu sicheren Lebensmitteln geführt hat. Wirkliche Skandale sind Einzelfälle und wurden von den wenigen schwarzen Schafen der Branche verursacht. Wir bewegen uns jetzt auf eine neue Stufe hin, Hygiene und Schadstofffreiheit gelten als selbstverständlich. Artgerechte Tierhaltung und gute, gesunde Lebensmittel werden von allen Seiten beleuchtet und von vielen – oft möglichst öffentlichkeitswirksam – gefordert. Gleichzeitig scheinen aber nur wenige Verbraucher bereit, mehr als 1,98 Euro für ein Hähnchen auszugeben. Dass bei solch niedrigen Preisen eine artgerechte Freilaufhaltung glücklicher Hühner nicht möglich sein kann, weiß eigentlich wohl jeder.   
 
Ein Umdenken der Verbraucher wird von vielen erwartet. Die hohe Wertigkeit von guten Lebensmitteln soll uns bewusster werden. Das ist richtig, wir alle wollen und brauchen gute, gesunde Lebensmittel und sollten deshalb bereit sein, einen fairen Preis zu bezahlen. Richtig ist aber auch, dass in der öffentlichen Diskussion zu wenig über die in der Nahrungsmittelbranche beschäftigten Menschen gesprochen wird. Gute Lebensmittel können nur solche sein, die unter guten Bedingungen hergestellt und verkauft werden. Der soziale Aspekt „hinter“ unseren Nahrungsmitteln, d.h. beispielsweise der Wert von nachhaltiger und dauerhafter Produktion, spielt in der öffentlichen Diskussion von heute eine viel zu geringe Rolle. So sollte neben die Diskussion über das Tierwohl zum Beispiel auch eine Debatte über die menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen ausländischer Schlachtkolonnen treten.
 
Berichte brauchen Weitblick
 
Es ist grundfalsch, wenn das Leben eines Tieres nichts zählt; wenn Hühner – so wie es derzeitige Untersuchungen nahelegen – unter Bedingungen gehalten werden, bei denen sie nur gesund bleiben können, wenn sie Antibiotika bekommen. Darüber wird heute – zum Glück – viel und kritisch berichtet. Zu wenig hört man aber von den Dumpinglöhnen vieler Bäckereifachverkäuferinnen in Ostdeutschland oder der Ausbeutung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch manche Fastfood Kette. Zu wenig wird auch über die Situation im Gastgewerbe geredet: Goldene Wasserhähne für die Gäste in einer Branche mit den meisten Niedriglöhnen nach OECD Standard.
 
Diskussion ist richtig
 
Die im Moment in Deutschland stattfindende Diskussion über den Wert von guten Lebensmitteln ist richtig und wichtig. Dabei sollten die Menschen im Hintergrund aber nicht vergessen werden. „Gute Lebensmittel“ können nur solche sein, die von Anfang bis Ende – vom Anbau der Rohstoffe über die Produktion und den Verkauf – unter fairen Bedingungen hergestellt und vertrieben werden.   
 
NGG fordert die Einhaltung sozialer Standards entlang der Lieferkette der gesamten Lebensmittelproduktion. In allen Produktionsstufen, in allen Ländern und für alle Beschäftigten.
 
Die Gewerkschaft NGG tut das Mögliche dazu, die Situation der Beschäftigten zu verbessern. Aber in einigen Punkten wird die Hilfe der Verbraucher gebraucht, zum Beispiel bei der Durchsetzung eines gesetzlichen Mindestlohnes als Lohnuntergrenze für Arbeit in Deutschland. Gute Lebensmittel können nur unter guten Arbeits- und Lebensbedingungen entstehen.

Arbeitsmarkt

Deutsches Jobwunder? Nicht wirklich

Jobs rauf, gute Arbeit runter. Deutschland erlebt kein echtes Jobwunder.

 

 „Niedrigste Arbeitslosenzahl in Deutschland seit 1991“, „Deutsches Jobwunder“ oder „Deutschland: Vorbild für Europa“, so oder so ähnlich titelten rund um den Jahreswechsel wieder viele deutsche Medien. Und richtig, im Jahr 2011 ist die Zahl der Erwerbslosen erfreulicherweise und trotz der schwelenden Eurokrise (weiter) gesunken.

 
Jubelstürme sind nicht angebracht
 
Der Jubel und die Freude des Regierungslagers sind nicht angebracht. Auch wenn die Arbeitslosenquote um 0,6 Prozent auf jetzt 7,1 Prozent gesunken ist und es damit inzwischen 41  Millionen Erwerbstätige in Deutschland gibt… es ist nicht alles gut, was Jobwunder heißt.
 
Im Trend: Nach Jobverlust sofort Hartz IV
 
Immer noch sind Millionen Menschen in Deutschland ohne Job. Schon deshalb verbietet es sich, in Jubelstürme auszubrechen. Auch hat sich die Lage der Arbeitslosen in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert. Zum Beispiel fallen nach dem Jobverlust immer mehr Menschen direkt in die „Grundsicherung“ von Hartz IV. Leiharbeiter und Geringqualifizierte sind besonders betroffen, sie bekommen selten das wesentlich höhere Arbeitslosengeld I. Heute sind viel zu viele Menschen viel zu kurz beschäftigt. Wer nicht lange genug einzahlt, bekommt nur Hartz IV.
  
„Jobwunder“ ist teuer erkauft
 
Auf die Art der Jobs kommt es an, das „Jobwunder“ ist teuer erkauft. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle. Millionen Menschen können heute von ihrer Hände Arbeit nicht leben. Ob „Minijobs“, Leiharbeit oder Teilzeitbeschäftigung, die sog. „atypische“ Beschäftigung ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Was aber bringt ein Anstieg der Erwerbszahlen – außer Jubelmeldungen der Bundesarbeitsministerin –, wenn viele dieser Menschen weiter mit Hartz IV „aufstocken“ müssen? Ohne staatliche Unterstützung lässt sich von vielen der neuen „Jobwunder-Jobs“ kaum leben. Und der Staat zahlt weiter jedes Jahr Milliarden an Zuschüssen für Geringverdiener, weil die Arbeitgeber zu niedrige Löhne zahlen, um davon zu leben.
  
Statistik schön gerechnet
 
Betrachtet man die vorgelegten Zahlen genauer, wird schnell klar: Die Statistik ist schön gerechnet. Mehr als 100.000 Erwerbslose im Alter von 58 Jahren und darüber sind nicht mitgerechnet – mehr als nur ein Schönheitsfehler. Seit 2008 gelten Menschen, die seit 12 Monaten Hartz IV erhalten und in dieser Zeit kein Jobangebot bekommen haben, nicht mehr als arbeitslos. Wären sie mitgerechnet, würde sich die Arbeitslosenquote bei Älteren deutlich erhöhen. Sie läge dann bei den 55- bis 64-jährigen nicht mehr bei 8,0 Prozent, sondern bei 9,7 Prozent. Ein Anstieg um 20 Prozent. Sicher kein Grund zu jubeln.
 
Aus viel Arbeit gute Arbeit machen
 
Deutschland hat kein echtes Jobwunder, zu feiern gibt es wenig. Es gibt zwar mehr Arbeit, aber auch mehr schlechte Arbeit. Aufgabe ist es jetzt, aus viel Arbeit gute Arbeit zu machen. Gute Arbeit ist  Arbeit, die unter vernünftigen Bedingungen stattfindet und ordentlich bezahlt wird. Das ist Arbeit, die zu Zeiten stattfindet, die mit den Lebensinteressen der Menschen übereinkommt. Arbeit, die nicht befristet ist und die langfristig und in Gesundheit ausgeübt werden kann. Erst dann gibt es Grund zu jubeln. 

Buch: Leben ohne Mindestlohn

Milo-Buch

Mitglied werden

Melden Sie sich hier online an.

Dr. Azubi

Stress in der Ausbildung?
Dr. Azubi hilft!

Unser Netzwerk

International:
www iuf.org
In Europa:
www.effat.org

©  Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)  |  wegewerk> wwEdit CMS 3.5