Die Europäische Föderation der Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Tourismusgewerkschaften (EFFAT) begann am 20. Oktober 2009 seinen 3. Kongress mit einer Kampfansage an Lohnkürzungen und Sozialdumping. Aufgrund niedriger Löhne sind viele Leih-, Saison- und WanderarbeitnehmerInnen in Landwirtschaft, Tourismus und Nahrungsmittelindustrie nicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgen.
Bruno Vannoni, der neu gewählte EFFAT Präsident, eröffnete die Diskussionen zu den Themen, die in diesen Tagen ganz oben auf den Tagesordnungen der Gewerkschaften stehen: " In dieser Zeit der Krise und Umstrukturierung, die schreckliche Auswirkungen auf die Zahl unserer Mitglieder haben, und welche verstärkt einen nationalistischen Diskurs zur Folge haben, wo wir im Gegenteil eine bessere Sichtbarkeit und Effizienz brauchen, um ein soziales Europa bauen zu können."
Harald Wiedenhofer, EFFAT Generalsekretär, plädierte für ein soziales Europa, das über die Qualität konkurriert und nicht über Sozialdumping. "Wir brauchen gemeinsame Mindeststandards, um Unternehmen an Steuerflucht und Sozialdumping zu hindern. Mit einem Ministerrat, der nicht einstimmig mit einer solchen Regelung einverstanden ist, können wir nur eine machtlose Kommission in dieser Angelegenheit vorhersehen. [...] Im Anschluss an die Urteile des EuGH zu Viking, Laval und Rueffert brauchen wir ein Europa, das die rechtlichen Voraussetzungen für die konsequente Umsetzung des Grundsatzes der Nichtdiskriminierung im gesamten Arbeitsmarkt schafft, und in- und ausländischen Unternehmen gleiche Bedingungen im Rahmen eines fairen Wettbewerbs und gleiche Lohn- und Beschäftigungsbedingungen für gleiche Arbeit am gleichen Ort garantiert.“
Reiner Hoffman vom Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) unterstrich, dass es eine Zunahme der Armut in Europa gibt, und fügte hinzu, dass "die Deregulierung der Finanzmärkte und der Liberalisierung viele soziale Ungleichheiten verursacht. [...] Wir müssen neue und ökologisch nachhaltige Arbeitsplätze garantieren. Der EGB hat einen „neuen Deal“ für mehr und bessere Arbeitsplätze erarbeitet, der u.a. eine starke Wirtschaftsplanung, soziale Gerechtigkeit und Integration, soziale Rechte für die Beschäftigten und ein ordentliches Tarifverhandlungssystem beinhaltet, um diesem Kapitalismus Einhalt zu gebieten, der sich in ein Casino verwandelt hat."
EFFATs Bemühungen bei der Suche nach Lösungen für die Bekämpfung des Klimawandels in unseren Sektoren werden vom EGB sehr geschätzt und als strategisch wichtig anerkannt, und werden sicher Eingang in den hochrangigen Gipfel in Kopenhagen finden.
Ron Oswald, IUL Generalsekretär, erklärte, dass die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft wurde, dass die Finanzwelt in einer kriminellen Weise mit den Pensionsfonds der Menschen spielte, die sie aber nicht ins Gefängnis brachte.
„Wirtschaftliche Gier ist zurück, und sie haben offenbar nichts gelernt. Dies sollte vorbei sein, aber es wird nie von selbst passieren.“ Wir haben den Kampf mit Unilever gewonnen, und sie mussten die internationale Macht der Gewerkschaften anerkennen. Er appellierte für Unterstützung, um der Nespressure Kampagne zu einem ähnlichen Erfolg zu verhelfen.
Der EFFAT Kongress findet bis zum 21. Oktober unter dem Thema: "Soziale Gerechtigkeit vom Feld auf den Tisch –Kampf der prekären Beschäftigung!" im Hotel Maritim proArte statt, mit einer Pressekonferenz um 11.45 Uhr am 21. Oktober, wo die EFFAT Gewerkschaften die Charta gegen prekäre Beschäftigung veröffentlichen werden. Untersuchungen zeigen, dass prekäre Beschäftigung in vielen Mitgliedsstaaten zunimmt und dringend gemeinsame tragfähige Lösungen von Arbeitgebern und Gewerkschaften benötigen werden.