Ausbildung
In einem Interview mit dem WESER-KURIER vom 31. Juli 2010 hat der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg der Wirtschaft vorgeworfen, durch zu hohe Anforderungen an die Qualifikation von Lehrstellenbewerbern die Ausbildungssituation zu verschärfen.
Die Unternehmen sollten die hohen Qualifikationsanforderungen überdenken, um auch Hauptschülern und vor allem jungen Menschen mit Migrationshintergrund wieder Perspektiven zu bieten: „Alle Beteiligten verschließen die Augen vor dem demografischen Problem, dass bald nicht mehr genug junge Menschen die Schulen verlassen werden“. Der sich hieraus zwangsläufig ergebende Engpass bei Lehrlingen sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, einschließlich der Unternehmen.
Aus Sicht des NGG-Vorsitzenden stärken die Pläne, den Fachkräftemangel allein durch den Zuzug ausländischer Fachkräfte auszugleichen, nur den Trend, den Niedriglohnsektor weiter zu zementieren: „In Deutschland verdienen heute schon rund zwei Millionen Menschen weniger als sechs Euro pro Stunde.“ Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde sei deshalb dringend erforderlich.
Mit der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU ab Mai 2011 nehme das Problem noch an Schärfe zu. „Für Branchen wie das Gastgewerbe, das Bäckerhandwerk oder weite Teile der Fleischwirtschaft gelten keine Tarifverträge oder die Arbeitgeber entziehen sich der Tarifbindung. Damit sind dem Lohndumping keine Grenzen gesetzt.“