NGG feiert 140. Geburtstag
Am 18. November 2005 hat die Gewerkschaft NGG in Hannover ihren 140. Geburtstag gefeiert. Rund 260 Gäste, darunter auch Vizekanzler und Arbeitsminister Franz-Müntefering und DGB-Chef Michael Sommer, gratulierten der ältesten Gewerkschaft Deutschlands.
Bereits am Nachmittag feierte die jungeNGG auf ihre Art das 140-jährige Bestehen der NGG. Am Kröpke, dem zentralen Platz mitten in der Hannoveraner Fußgängerzone, harrten 25 junge NGG-Mitglieder bei eisig-feuchter Witterung aus, um PassantInnen über die Geschichte der NGG und deren Tariferfolge zu informieren: per Bodenzeitung, Flyer und persönlich. Überdies lasen jeweils zwei VorleserInnen per Megaphon vor, wie es Auszubildenden und ArbeitnehmerInnen früher und heute erging und ergeht.
Am Anfang war das Wort, und das sprach der Vorleser, das Symbol der NGG für Solidarität in der Arbeitswelt. Andächtig lauschte der Saal einer gewerkschaftlich aufbereiteten Version des Märchens „Tischlein, deck dich“, in dem der Herbergsvater den Beinamen „die Heuschrecke“ trägt und Arbeitnehmerinteressen auch schon einmal mit dem „Knüppel aus dem Sack“ vertreten werden müssen. Denn anders als im Märchen heiße es bei NGG: „Und wenn sie was verändern wollen, dann wehren sie sich, Leute!“
Mit stehenden Ovationen begrüßten die Feiernden eine 35-köpfige Delegation der Beschäftigten vom Flughafen-Caterer Gate Gourmet in Düsseldorf, die zu diesem Zeitpunkt bereits in der siebten Woche streikten. Alle Redner zollten den Streikenden ihre Anerkennung und erklärten sich mit ihnen solidarisch. Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger überreichte eine Spende über 1.000 Euro, die der NGG-Beirat am Vortag gesammelt hatte.
Bei aller Kritik am Koalitionsvertrag, die der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg gegenüber Franz Müntefering (Bildmitte) äußerte, lobte er den Erhalt der Tarifautonomie und das Investitionsprogramm der neuen Bundesregierung. Der künftige Arbeitsminister versicherte in Hannover, wie engagiert er auch weiterhin für den „Nutzen der Menschen im Großen und im Kleinen kämpfen“ werde: „Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt.“
Auf der Feier in Hannover herrschte eine ausgelassene und solidarische Stimmung. Für die Streikenden von Gate Gourmet gab es nicht nur finanzielle und verbale, sondern vor allem moralische Unterstützung: vielfaches Händeschütteln und Schulterklopfen inklusive. In der Nacht ging es dann gestärkt mit dem Bus zurück nach Düsseldorf.
Bei NGG wird Gender Mainstreaming gelebt: Frauen und Männer fühlen sich gleichermaßen dem Fortschritt und der Tradition der Zigarrenarbeiter verpflichtet.
NGG wäre nicht NGG, wenn nicht auch der eigene Geburtstag genutzt würde, um neue Mitglieder zu werben. Auch im gewerkschaftlich bereits gut organisierten Maritim Grand Hotel in Hannover ist dies gelungen: NGG-Vorsitzender Franz-Josef Möllenberg (re.) begrüßt Neumitglied Maik Busch (2.v.r.).