Brigitte Warmbier
Als sie 1987 in Timmendorfer Strand bei der Firma Wilhelm Brandenburg, eine der Fleisch verarbeitenden REWE-Produktionsstätten, als Verpackungshelferin in Teilzeit anfing, wollte Brigitte Warmbier nur ein halbes Jahr bleiben, eigentlich: Bereits anderthalb Jahre später war die gelernte Rechtsanwalts- und Notariatsgehilfin Schichtleiterin für die Produktion und die Verpackung: „Ich wollte nach der Kindererziehungszeit Gas geben und zeigen, was ich so drauf habe. In meinem früheren Job hatte ich Stöpsel im Ohr und mir fehlte die Teamarbeit.“
Was sie sonst noch so drauf hat, beweist die gebürtige Lübeckerin unter anderem seit 1996 als Fachkraft für Arbeitssicherheit (FASI) und seit 1997 als Betriebsratsvorsitzende. Die hohe Unfallquote, erklärt Brigitte Warmbier nicht ohne Stolz, habe sich nach einem Jahr mit ihr als FASI bereits halbiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, sei das Wissen der Betriebsleitung um die Bedeutung und die Erfolge ihrer Arbeit nun derart hoch, dass ihr mehr Sicherheits-, Brandschutz- und Etagenbeauftragte zugestanden werden, als es bei rund 400 Beschäftigten erforderlich wäre: „Sie nerven zwar manchmal, Frau Warmbier, aber wir sind froh, dass Sie da sind.“
Auch sonst scheint die Firma W. Brandenburg ein positives Beispiel dafür zu sein, dass es in der Branche nicht nur schwarze Schafe gibt, die Gammelfleisch in Umlauf bringen, sondern auch solche, die Sicherheit und Offenheit groß schreiben. „Bei uns im Betriebsratsbüro“, so Warmbier, „liegt sogar das Buch ‚Die Fleischmafia’ offiziell zur Ausleihe bereit.“
Ihre Arbeit als Vorsitzende im Gesamtbetriebsrat und im Betriebsrat bereitet der ehrenamtlichen Arbeitsrichterin große Freude. Und sie macht klare Ansagen: „Wenn sich jemand beschwert, dann macht der Vorgesetzte keine anständige Arbeit.“ Oder nach einem Tarifabschluss: „Wenn du kein NGG-Mitglied bist, dann gilt dieser Abschluss nicht für dich.“ Sie weiß aber auch, dass Zuhören und sich selbst Zurücknehmen wichtig sind: „Wer mich sprechen möchte, kann mich jederzeit im Betriebsratsbüro besuchen oder anrufen, auch privat. Diese Flexibilität hat sich bewährt.“ Entspannung findet die engagierte Betriebsrätin beim Radfahren, walken, lesen, kochen und bei der Gartenarbeit.