1989, also mit 26 Jahren, ist die gelernte Industriekauffrau Cornelia (Conny) Felten in die Gewerkschaft NGG eingetreten: "Ich hätte auch die erste Brauerin Deutschlands werden können. Man hatte mir in der ehemaligen Bavaria-St.Pauli-Brauerei in Hamburg eine Lehre angeboten." Damals habe sie allerdings noch Bedenken gehabt, in diese Männerdomäne einzudringen. Heute falle es den KollegInnen schwer, der selbstbewussten Betriebsratsvorsitzenden der Holsten-Brauerei die damalige Schüchternheit zu glauben.
Sie sei kein Typ für Stillstand, erklärt Felten, brauche ständig neue Herausforderungen. So richtig mit ihren Aufgaben gewachsen sei sie als Betriebsratsmitglied im Arbeitskampf 1997/ 1998. Der traurige Anlass: Der damalige Eigner der Bavaria, der Brau-und-Brunnen-Konzern, wollte die Brauerei trotz schwarzer Zahlen schließen. Über Monate habe es Demos und andere öffentlichkeitswirksame Aktionen gegeben: "Die Organisation, von Pressearbeit bis hin zu Kunstausstellungen, lag in meinen Händen. Wir haben sogar fast alle Bavarianer dazu gebracht, Brau-und-Brunnen-Aktien zu kaufen. So haben wir uns Zugang zu den Aktionärsversammlungen verschafft und Druck gemacht, damit die Bavaria an den Hamburger Senat verkauft wurde." Auf einer Aktionärsversammlung, erzählt Conny Felten nicht ohne Stolz, habe sie auch ihre erste Rede gehalten und gesehen, was sie sich selber zutrauen könne.
Seit 2001 gehören die BavarianerInnen und mit ihr Felten als Betriebsratsvorsitzende zur Belegschaft der Holsten-Brauerei in Hamburg. Betriebsratsneulingen empfiehlt sie, alles offen und ehrlich anzusprechen, auch wenn es mitunter unangenehm sei. Unerlässlich für die Betriebsratsarbeit seien auch gute Vorbereitung und Schulungen. Auch sie selbst bildet sich beständig weiter: sei es demnächst in einem Seminar zum Thema Outsourcing oder als Tarifkommissionsmitglied und in zahlreichen NGG-Funktionen, seit dem Gewerkschaftstag in Magdeburg 2003 als Hauptvorstandsmitglied.