Seit 1973 arbeitet Gertrud Lohmann im niedersächsischen Lohne in der Geflügelschlachterei Wiesenhof als Verpackerin. 400 Mitarbeiter zerlegen hier täglich 260.000 Tiere. Aber nur wenige Beschäftigte sind seit 30 Jahren dabei wie Gertrud Lohmann, denn die Fluktuation bei Wiesenhof ist groß.
Getrud Lohmann ist seit 1973 NGG-Mitglied, seit 1978 Mitglied im Betriebsrat und seit 1989 freigestellte Vorsitzende. Neben den Wiesenhof-KollegInnen vertritt sie auch die rund 100 ArbeitnehmerInnen der Zweitfirma ZVS: "Bei den ZVS-KollegInnen haben wir im Frühjahr auf einen Schlag 63 Leute für die NGG geworben. Die waren noch gar nicht organisiert. Das war dann leichter als bei Wiesenhof. Da haben wir 20 neue Mitglieder geworben." Für Gertrud Lohmann ist es wichtig, die Gewerkschaft hinter sich zu wissen. Sonst habe sie nicht die Beratung und die Sicherheit. "Es ist immer einer da, mit dem ich reden kann; heutzutage ja notfalls auch über Handy. Auch die Schulung ist sehr wichtig: Damit man nicht von den Arbeitgebern über den Tisch gezogen wird."
Trotz ihrer langjährigen Erfahrung bildet sich die patente Betriebsratsvorsitzende ständig weiter: ob nun als Delegierte im NGG-Landesbezirk, im Beirat der AOK Oldenburg-Münsterland oder als ehrenamtliche Arbeitsrichterin: "Man lernt etwas. Man wird nicht doofer davon." Insbesondere letztere Tätigkeit kommt ihr bei der täglichen Betriebratsarbeit zugute. Sie kann Sachverhalte und Verhandlungschancen besser einschätzen: "So können wir uns so manchen Gang zum Arbeitsgericht sparen. Weil wir eben rechtzeitig mit der Geschäftsleitung reden."