Von der Ausbildungswarteschleife in die Dauerarbeitslosigkeit
Hagen, 2. April 2011
Nicht nur in der Atompolitik, auch bei der Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt ist ein radikales Umdenken der Bundesregierung überfällig. „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist inzwischen sozialpolitisch hochexplosiv“, so die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Michaela Rosenberger, heute auf einer Delegiertenversammlung in Hagen.
„Jugendlichen, die heute keine Chance auf eine qualifizierte Berufsausbildung bekommen, sind die Billiglöhner und Langzeitarbeitslosen von morgen“, so Rosenberger. Angesichts eines zunehmenden Facharbeitermangels sei es geradezu zynisch, dass sich Unternehmen trotz entsprechender Möglichkeiten weigern, jungen Menschen eine Ausbildungs- und Berufsperspektive zu geben. Der bisherige Schmusekurs der Bundesregierung gegenüber der Wirtschaft habe die Situation nicht entspannt. Vor allem für Jugendliche, die mehrfach vergeblich eine Ausbildung gesucht haben („Altbewerber“), sei die Lage dramatisch. „Ohne vernünftige Ausbildung und ohne anschließende Übernahme in ein reguläres Arbeitsverhältnis können junge Menschen keine Perspektiven für ihre Lebens- und Familienplanung aufbauen“, so Rosenberger. Die NGG fordere von der Bundesregierung, endlich massiven Druck auf Ausbildungsplatzverweigerer auszuüben und schleunigst eine Ausbildungsumlage einzuführen, mit der überbetriebliche Ausbildungszentren finanziert werden können.
Bislang landen jedes Jahr mindestens 350.000 Jugendliche in rund vier Milliarden Euro teuren, intransparenten und ineffizienten „Warteschleifen“- Kursen, die zwar die offizielle Statistik schönen, aber keinen nennenswerten Effekt haben. Offiziell hat fast jeder Jugendliche zwischen 25 und 29 Jahren keinen Job. Jeder Zehnte aus dieser Altersgruppe hat die Hoffnung auf eine Berufsperspektive ganz aufgegeben.