Tarifrunde 2011 in der Süßwarenindustrie
Die ersten großen Warnstreiks („Jetzt gibt es Saures“) waren schon geplant, doch dann lenkte die Arbeitgeberseite doch ein. Nachdem die „große Tarifkommission“ der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gestern dem Abschluss zugestimmt hat, gibt es für die rund 50.000 Beschäftigten der deutschen Süßwarenindustrie deutlich mehr Geld aufs Konto. Hinzu kommt ein attraktiver Betrag zur Altersvorsorge ab 2012. Claus-Harald-Güster, stellvertretender NGG-Vorsitzender: „Dieser Abschluss ist eine gute Vorlage für weitere Tarifabschlüsse in der Ernährungsindustrie!“
Nach einem „Leermonat“ (im Norden ist das schon der April) erhalten die Beschäftigten eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 3 Prozent für 12 Monate, anschließend für weitere 12 Monate weitere 2,8 Prozent mehr.
Beschäftigte in den „alten“ Bundesländern erhalten bislang Vermögenswirksame Leistungen von rund 130 bis 200 Euro/Jahr. Die Verträge hierzu werden zum 31. Dezember 2011 außer Kraft gesetzt. Stattdessen erhalten sie künftig pro Jahr einen Altersvorsorgebeitrag in Höhe von 351 Euro bis 395 Euro netto.
Beschäftige in den „neuen“ Bundesländern, wo es keine Tarifverträge über Vermögenswirksame Leistungen gibt, können sich ab 2012 auf einen jährlichen Altersvorsorgebeitrag von 240 Euro netto und (nach 12 Monaten) von zusätzlichen 79,08 Euro freuen – sofern es nicht bereits eine entsprechende betriebliche Leistung gibt.
Auszubildende erhalten 50 Prozent und Teilzeitbeschäftigte anteilige Beiträge.
2001 hatte die NGG in der Süßwarenindustrie als vermutlich allererste Gewerkschaft im DGB überhaupt einen flächendeckenden Pilotabschluss zur Altersvorsorge durchgesetzt. „Angesichts der Rentenlücke und der demografischen Entwicklung“, so Güster, „war es sozialpolitisch richtig und wichtig, die Vermögenswirksamen Leistungen in die Altersvorsorge umzusteuern.“
Hamburg, 19. April 2011