DGB-Ausbildungsreport 2011 disqualifiziert das Gastgewerbe
„Die Ergebnisse des diesjährigen Ausbildungsreports beweisen, dass viele Arbeitgeber des Gastgewerbes bei der Ausbildung verantwortungslos handeln“, hat Michaela Rosenberger, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), heute kritisiert.
Zum wiederholten Mal landeten die Berufe des Gastgewerbes auf den letzten Plätzen der 25 häufigsten Ausbildungsberufe. Insbesondere zahlreiche und zudem unbezahlte Überstunden sowie Verstöße gegen die einschlägigen Gesetze und eine hohe Erschöpfungsrate belasteten die Auszubildenden. So müssten zwei Drittel aller Auszubildenden der Branche eine erhebliche Anzahl von Überstunden leisten, von denen dann fast die Hälfte der Auszubildenden diese dann weder in Freizeit noch in Geld vergütet bekommen und somit faktisch umsonst arbeiteten. Mehr als 33 Prozent der Auszubildenden klagten zudem über ungerechte Behandlung. Wie schwer die Ausbildungsbedingungen tatsächlich seien, zeige auch, dass mehr als zwei Drittel aller Auszubildenden Schwierigkeiten hätten, sich nach ihrem Arbeitstag zu erholen.
„Es ist erschreckend, unter welchen Bedingungen viele Auszubildende im Gastgewerbe zu leiden haben. Statt immer wieder über die angeblich so schlechten Ausbildungsbewerber zu klagen, sollten sich viele Betriebe an die eigene Nase fassen und endlich ihren Auszubildenden mit Respekt begegnen und die Ausbildungsbedingungen verbessern. Die Alarmsignale schrillen seit langem: Das Gastgewerbe hat allein in den letzten vier Jahren mehr als 20.000 Auszubildende verloren und führt die Hitliste der Branchen mit unbesetzten Ausbildungsstellen an“, so Rosenberger. Während 2007 noch mehr als 107.000 junge Menschen im Gastgewerbe ausgebildet wurden, waren es 2010 nur noch knapp mehr als 86.000.
„Noch immer beginnen fast 30.000 junge Menschen jedes Jahr ihre Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe. Sie vertrauen darauf, gut und unter fairen Bedingungen ausgebildet zu werden, um erfolgreich in ihre berufliche Zukunft zu starten. Dieses Vertrauen wird von vielen Betrieben maßlos und mutwillig enttäuscht. Doch wer Verantwortung fordert, sollte dies auch mit eigenem Handeln fördern. Hiervon sind viele Betriebe der Branche jedoch weit entfernt“, bedauert die NGG-Vize.
Berlin, 14. September 2011