ILO: Lohndumping ist auch Krisengrund
Berlin – 25. Januar 2012. Zum Beschäftigungsbericht 2012 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), erklärt:
„Deutsches Billigfleisch mit deutschen Billiglöhnen als Exportschlager in die Europäische Union: Nicht nur in Frankreich, Belgien, Dänemark und Italien schrillen die Alarmlocken, weil deutsche Fleischunternehmen mit Dumpinglöhnen und Werkverträgen Wettbewerbsvorteile erzielen.
Nun steht es auch amtlich im Beschäftigungsbericht der ILO: Exportweltmeister Deutschland trage eine Mitschuld, an der Eurokrise. Die schwache Entwicklung von Löhnen und Gehältern gehöre zu den strukturellen Ursachen der Probleme in der Eurozone. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten deutschen Wirtschaft – dazu gehört auch die Lebensmittelwirtschaft mit einem Exportanteil von rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes – setze die anderen europäischen Länder enorm unter Druck.
Ein wichtiger Schritt, um die Binnennachfrage in Deutschland zu stärken, ist die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro. In vielen der von der NGG betreuten Branchen – zum Beispiel in Hotels und Gaststätten, in der Fleischindustrie und in Bäckereien – wird ein viel zu geringer Lohn gezahlt, weil sich Arbeitgeber weigern, Existenz sichernde Tarifverträge abzuschließen.“