Berlin - 4. August 2010
Den heute vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichten Katalog von Vorschlägen zum Abbau bürokratischer Hemmnisse, beispielsweise zur Ausweitung von Beschäftigungszeiten von Jugendlichen, hat Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), entschieden abgelehnt.
„Es ist menschenverachtend, wenn der Gesundheitsschutz von Jugendlichen unter 18 Jahren als bürokratisches Hemmnis für den Arbeitsmarkt dargestellt wird. Wer fordert, dass 16-jährige Auszubildende bis 23 Uhr arbeiten oder ab fünf Uhr in der Backstube stehen sollen, der will dem Gastgewerbe oder dem Bäckerhandwerk nur weiter billige Arbeitskräfte länger zur Verfügung stellen. Es ist wirklichkeitsfremd zu meinen, dass zwischen 22 und 23 Uhr oder aber zwischen fünf und sechs Uhr morgens wichtige Ausbildungsinhalte vermittelt werden, ohne die sonst ein Ausbildungshemmnis entsteht.
Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: Bereits 2009 konnten nicht mehr alle freien Ausbildungsverhältnisse im Gastgewerbe besetzt werden, die Zahl neu begonnener Ausbildungsverhältnisse ging schon 2008 um fast zehn Prozent zurück. Nach eigenen Angaben des DIHK konnten im Jahr 2009 43 Prozent der Unternehmen des Gastgewerbes ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen. Diese Tendenz ist ungebrochen.
Die schlechte Qualität der Ausbildung, die Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung – das sind die Themen der Branche. Das Gastgewerbe hat ein Imageproblem – kein Arbeitszeitproblem – wie die hohen Abbrecherquoten zeigen. Wenn die Ausbildungsbedingungen weiter verschlechtert werden, wird das Gastgewerbe noch unattraktiver für junge Leute.“