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„Rechtzeitig neue Wege gehen“

Mit der „Riesterschen Rentenreform“ hat die rot-grüne Regierung 2001 das Ziel der Lebensstandardsicherung in der Gesetzlichen Rentenversicherung aufgegeben: Zukünftig müssten die Bürger/innen zusätzlich betrieblich und individuell-privat vorsorgen, wenn sie ihren Lebensstandard im Alter halten wollten. Mit richtungweisenden Tarifverträgen hat NGG hierauf vor zehn Jahren reagiert.

 

Auf der tarifpolitischen Tagung „Rechtzeitig neue Wege gehen! Rückblick auf 10 Jahre Tarifverträge für die betriebliche Altersvorsorge - Ausblick auf die zukünftige Tarifpolitik“ am 21. und 22. September 2011 im Bildungszentrum Oberjosbach (BZO) bezeichnete der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg die Tarifverträge zur Altervorsorge vor 75 Betriebsrät(inn)en als „ein Jahrhundertwerk“: „Wir wollten es nicht zulassen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen Versicherungsvertretern aufsitzen, die in erster Linie an ihre Provision denken und nicht an die Altersvorsorge unserer Kolleginnen und Kollegen. Dafür brauchten wir verlässliche Partner auf der Arbeitgeberseite.“

 

Michael Bergstreser, NGG-Referatsleiter und einer der Ideengeber für die tarifliche Altersvorsorge, erinnerte daran, dass es in der Süßwarenindustrie nach 18 Verhandlungsrunden am 8. Mai 2001 zum ersten Abschluss eines NGG-Tarifvertrages zur Altersvorsorge gekommen war. „Mit den mittlerweile 350 Tarifverträgen zur Altersvorsorge“, so Claus-Harald Güster, stellvertretender NGG-Vorsitzender, „haben wir unsere Kolleginnen und Kollegen vor Abzockerei geschützt. Alle Tarifverträge spiegeln unsere Devise ‚Sicherheit vor Rendite’ wider.“

 

Viel Überzeugungsarbeit nötig


Klaus-Uwe Netzer, Betriebsratsvorsitzender bei Lambertz und schon vor zehn Jahren bei den ersten Tarifverhandlungen dabei: „Wir haben damals ein Modell entwickelt und in diesem Jahr modifiziert, das viele Jahrzehnte Bestand haben wird.“

 

An vier Praxisbeispielen aus der Getränke- und Zigarettenindustrie sowie dem Gastgewerbe wurde aber auch deutlich, dass es anfangs nicht leicht war, die Beschäftigten von der Notwendigkeit einer tariflichen Altersvorsorge zu überzeugen. Auch wenn diese heute niemand mehr in Frage stellt, nutzen nur sehr wenige die Entgeltumwandlung, so die Erkenntnis der Betriebsräte Conny Felten, Holsten Brauerei, Hermann Badendick, Coca-Cola, Gerd Willems, JTI Trier, und Polichronis Raptis, Dorint Hotel.

 

Kritisch äußerte sich Michaela Rosenberger, stellvertretende NGG-Vorsitzende, über die tarifliche Altersvorsorge im Gastgewerbe: „Die Haltung vieler Arbeitgeber in der Branche, insbesondere in den vielen kleinen Betrieben, ist nicht gerade von Tariftreue geprägt.“

 

Demografischen Wandel aktiv begleiten


Nach dem Referat „Demografischer Wandel und Generationengerechtigkeit im Sozialstaat“ von Christoph Butterwegge, Professor für Armutsforschung, Köln, waren sich alle Diskussionsteilnehmer/innen einig, dass der Sozialstaat als Errungenschaft und nicht als Problemfall zu begreifen sei. Während sich Möllenberg gegen die Rente mit 67 aussprach, plädierte der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Pensionskasse Hans Stapelfeldt für die Schaffung von flexiblen Übergängen.

 

Thilo Fischer, Betriebsrat bei Unilever, stellte eine Initiative der Betriebsräte vor, mit der sie das steigende Durchschnittsalter der Belegschaft bei Unilever gestalten wollen. Sein Eindruck: „So manch ein Manager hat noch nicht begriffen, dass jetzt die Weichen gestellt werden müssen, um den Beschäftigten einen gesunden Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen.“

 

Güster appellierte an die Anwesenden, die Arbeitswelt gemeinsam so zu gestalten, dass die Beschäftigten gesund älter werden können und vor Altersarmut geschützt seien: „Rechtzeitig neue Wege gehen und den demografischen Wandel aktiv begleiten: durch Qualifizierung älterer Beschäftigter, flexible Übergänge in die Rente, gesundheitliche Prävention und altersgerechte Arbeitszeiten. Das muss sich noch stärker in Tarifverträgen und in der täglichen Betriebspolitik wiederfinden.“

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