Von sich selbst sagt sie, sie sei „hart, aber herzlich“. Und wer Anke Kiy (46) kennt, kann das nur bestätigen. Geboren in Dorsten und aufgewachsen in Gladbeck ist sie ein echtes „Ruhrpottgewächs“. 1983 zog es die gelernte Friseurin wegen des besseren Verdiensts in die Brotbranche: als Fahrerin. Mittlerweile arbeitet sie seit 2002 bei Lieken/Logi-K (ehemals Kamps bzw. Wendeln) in Essen: Zunächst lernte sie dort Servicekräfte an, die die Regale in den Supermärkten befüllen, doch schnell war klar: „Ich will wieder auf den Bock“. Kurzerhand machte sie mit 40 Jahren auf eigene Kosten den LKW-Führerschein: „Nach und nach haben sich meine Fahrer-Kollegen an mich gewöhnt und gesagt Hut ab, dass du das schaffst als Frau.“
Seit einem Jahr nun ist sie als stellvertretende Vorsitzende für die Betriebsratsarbeit freigestellt. Auf den Geschmack gekommen oder besser gesagt "reingerutscht" ist Kiy 2006: Gerade, als sie mit dem LKW vom Hof fahren wollte, sprach sie ein türkischer Kollege aus der Produktion an, ob sie nicht für den Betriebsrat kandidieren wolle. Seine Begründung: „Du hast Herz, du bist unser Engel“. Kiy: „Da ich es eilig hatte, sagte ich Ja, mach mal. Und plötzlich war ich im Betriebsrat. Und natürlich auch bei NGG. Die NGG-Region unterstützt mich übrigens wirklich sehr gut. Da lass ich nichts drauf kommen.“
Nach ihren Erfolgen befragt, sagt die resolute Betriebsrätin: „Besonders stolz bin ich, dass wir die bundesweit einheitliche Fahrerpauschale so gut hingekriegt haben, so dass den Jungs – vorausgesetzt sie sind NGG-Mitglied – kein Geld fehlt.“ Überdies habe der Betriebsrat durchgesetzt, dass auch bei Urlaub und Krankheit der Durchschnitt der Nachtzulage und der geleisteten Mehrarbeit der vorangegangenen sechs Monaten gezahlt werde.
Kiys Tipp für die Betriebsratsarbeit: „Nicht zart besaitet sein und - ganz wichtig - bissig und hartnäckig bleiben! Einer muss es ja machen.“ Und die Mutter zweier fast erwachsener Kinder macht zurzeit fast nichts Anderes, schließlich geht es derzeit um den Erhalt der Lieken-Standorte: „Wer jetzt noch abseits stehen will, unterstützt direkt den Arbeitgeber und fällt sich selbst und der gesamten Belegschaft in den Rücken.“