Dieter Woischke
„Wenn wir gut Zucker verkaufen, will ich, dass die Belegschaft daran beteiligt wird“. Dieter Woischke (57), Betriebsratsvorsitzender bei Nordzucker im niedersächsischen Clauen und seit April 2010 auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender, weiß, was er will und wovon er spricht: Schließlich ist der gelernte Elektriker seit 38 Jahren in der Zuckerindustrie beschäftigt, so wie zuvor sein Vater 48 und sein Großvater 20 Jahre lang.
NGG trat er 1986 bei: „Die Überzeugung, dass man alleine auf verlorenem Posten ist, ist erst nach und nach gewachsen. Ich habe viel Unterstützung durch Manfred Tessmann von der NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen erfahren. Ich bin wirklich froh, dass es NGG gibt. Da kann ich immer anrufen.“
Woischke ist ein kämpferischer und zugleich realistischer Mensch, der es versteht, auch vermeintliche Misserfolge positiv zu sehen. So sei zwar kürzlich eine Klage vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt gescheitert, aber „auch wenn man ein Ziel nicht erreicht, ist es wichtig es versucht zu haben. Ich bin jetzt schlauer und kenne die Sachlage.“
Mit seiner gradlinigen und glaubwürdigen Art gelingt es dem gebürtigen Niedersachsen, nicht nur seine rund 150 KollegInnen in Clauen, von denen im Übrigen ca. 85 Prozent NGG-Mitglied sind, zu überzeugen und zu mobilisieren: in der Entgelttarifrunde im Juni 2010 sogar zu Warnstreiks, den ersten seit mehreren Jahrzehnten in der Zuckerindustrie. Woischke: „Ich habe ihnen gesagt: Es geht um euer Geld. Ich möchte, dass ihr vor dem Tor steht.“
Frisch gewählten Betriebsräten könne er nur empfehlen, geradlinig zu sein und sich nicht einschüchtern zu lassen: von niemandem: „Man muss hinter dem stehen, was man tut. Das heißt aber nicht, dass man sich die Argumente der anderen nicht anhört. Meine Devise ist: Leben und leben lassen!“
Wichtig sei ihm auch, den KollegInnen klarzumachen, dass er seinen Arbeitsanzug zwar abgelegt, aber keineswegs verbrannt habe: „Ich muss allerdings auch feststellen, dass ich früher als Elektriker abends leichter abschalten, also entspannen konnte als jetzt nach einem langen Büroarbeitstag.“ Sein Hobby, das volle Konzentration verlange, helfe ihm dabei: Dieter Woischke spielt Skat auf Profi-Niveau. (August 2010)