Gewundert habe sie sich schon, erinnert sich Lilli Egbenaho (50), Mitarbeiterin in der Personalkantine des Maritim Airport-Hotels Hannover und Betriebsratsmitglied, als sie Mitte der 1990er Jahre im Rahmen eines Aussiedlerprogramms aus Mozdok, Kaukasus, nach Deutschland gekommen sei: Im Maritim, wo sie nach Sprachkurs und Praktikum als Küchenhilfe angefangen habe, habe es keinen Betriebsrat (BR) gegeben. „Die Leute haben sich noch nicht einmal getraut, sich als Gewerkschaftsmitglied zu outen. Aber Ende 2010 haben ein Kollege, eine andere Kollegin aus Russland und ich mit Hilfe der NGG einen Wahlvorstand gebildet.“ Die BR-Wahl Anfang 2011 habe die Belegschaft allerdings in zwei Lager gespalten. Das Problem sei, dass im neunköpfigen Betriebsrat die Abteilungsleiter die Mehrheit und den Vorsitzenden stellen: „Und die wollen alles unter Kontrolle behalten und keine Veränderung. Aber da haben sie die Rechnung ohne mich gemacht. Ich sage, was ich denke. Demokratie ist, dass ein Mensch alles sagen kann, was er denkt; egal, ob zum Chef oder sonst jemandem!“
Und das tut die kämpferische Betriebsrätin: ob es nun darum geht, dass die Lohnabrechnungen immer die gleichen Beträge ausweisen, obwohl die Anzahl der zahlreichen Überstunden variiert, oder darum, dass die 100 Azubis „ausgebeutet“ werden und genauso hart arbeiten müssen wie die übrigen 180 KollegInnen. Der gelernten Erzieherin liegen die jungen Menschen am Herzen: „Die kommen mit ihren zum Teil 16 Jahren gerade erst aus der Schule. Da muss man sich doch kümmern. Die sollen hier was lernen und nicht nur bis zum Umfallen arbeiten.“
Egbenaho kümmert sich auch um ihre eigene Weiterbildung. Da ihr Arbeitgeber die BR-Schulungen bisher jedoch nur intern anbietet, nimmt sie auch an externen Seminaren teil: in ihrer Freizeit und mit Unterstützung von NGG. Ihr Engagement und auch ihr Humor sind unübersehbar: „Ich habe mir sogar schon überlegt, ob ich nicht - in guter alter NGG-Tradition - als Vorleserin fungiere und meine Kolleginnen und Kollegen, während sie essen, über ihre Rechte informiere.“ Ihren Ehemann, der früher selbst im Maritim gearbeitet hat, weiß die Mutter zweier Kinder bei ihrem Kampf um Arbeitnehmerrechte dabei voll an ihrer Seite. „Du musst zupacken“, habe er ihr gesagt. Loslassen und entspannen kann Lilli Egbenaho aber auch: beim Saunatag mit ihren Kolleginnen.