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„Immer ein offenes Ohr haben“

„Das war der erste Warnstreik in der Geschichte unserer jetzt 111 Jahre alten Brauerei: Und die ganze Schicht hat am 3. Mai 2011 mitgemacht, obwohl viele Angst hatten. Das war schon beeindruckend. Dabei war die Lohnerhöhung gar nicht so wichtig. Ausschlag gebend war der Kampf um den Bundesrahmentarifvertrag und die Information ‚Der Arbeitgeber will euch eine Lohngruppe niedriger einstufen’“, erinnert sich Michael Brunn (47), Betriebsratsvorsitzender der Erzquell Brauerei in Wiehl-Bielstein im Bergischen Land; genauer gesagt im Oberbergischen Land, ca. 50 Kilometer von Köln entfernt. Ein ganz eigener Menschenschlag, bodenständig und stur, lebt hier. Auch Brunn ist seinem Geburtsort Nümbrecht treu geblieben: „Unsere oberbergische Sturheit, die kommt mir bei meiner Betriebsratsarbeit manchmal zu Gute.“


In den fünfköpfigen Betriebsrat ist der gelernte Energieanlagenelektroniker 1992 eingetreten, kurz nachdem er bei Erzquell, einer Brauerei mit ca. 50 Beschäftigten, anfing: „Meine Arbeit als Techniker reicht mir nicht, ich brauche auch das soziale Engagement. Auch wenn ich nicht freigestellt bin, versuche ich, immer ein offenes Ohr für die ganze Belegschaft zu haben. Dabei muss ich genau beobachten und filtern, welche Klagen berechtigt sind und ob etwas gegen das Gesetz verstößt. Im Zweifelsfall, wenn zum Beispiel ein Schichtsystem verändert werden soll, rufe ich Ernst Busch von der NGG-Region Köln an. Der hilft mir dann weiter.“


Ganz wichtig ist dem Tarifkommissionsmitglied: „Wenn etwas richtig ernst ist, dann musst du das gnadenlos durchziehen, keine Angst zeigen, Grenzen abstecken und eine gesunde Distanz zum Chef wahren: Auch wenn das manchmal schwer ist in einem kleinen Betrieb. Mit dem Warnstreik zum Beispiel, da mussten wir richtig Verhandlungsdruck aufbauen: auch, damit es letztlich nicht zu einer unbefristeten Arbeitsniederlegung kam.“


Und Michael Brunn hat noch mehr Tipps auf Lager: „Nicht erst auf die Rente warten, um ein schönes Leben zu haben! Lieber jetzt jeden Tag gerne zur Arbeit gehen, auch wenn es manchmal schwer ist!“ Wenn er nicht gerade sein Arbeitsleben genießt, kocht der engagierte Arbeitnehmervertreter, geht tauchen oder fährt Rad: nach der Devise „Kein Berg zu steil“.

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