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„Da brauchst du ein dickes Fell“

Nicole Kümmel

Wenn sie nach einem langen Arbeitstag nachhause kommt, würde sie am liebsten nur noch die Füße hochlegen: Nicole Kümmel (33) ist seit 1995 Köchin im Hotel-Rasthaus Seligweiler an der Autobahnausfahrt Ulm-Ost. Und als wäre der Beruf, den sie trotz aller Mühen liebt, nicht schon anstrengend genug, engagiert sich die gebürtige Prenzlauerin auch noch im Betriebsrat (BR) für ihre rund 130 KollegInnen.


Dass es überhaupt einen gibt, ist ebenfalls ihr und vier ihrer Kollegen zu danken. 2004 hatten sie die Nase voll von den Zuständen im Familienbetrieb: „Es war schlimm: Wir arbeiteten viel mehr Stunden, als erlaubt war, bekamen zu wenig Geld, und das Weihnachtsgeld sollte auch gestrichen werden. Im Haus schlich plötzlich ein Wirtschaftsprüfer herum, ohne dass die Belegschaft in irgendeiner Form informiert wurde. Wir haben uns dann an die NGG-Region in Ulm gewandt und sind Gewerkschaftsmitglieder geworden. Die haben uns über unsere Rechte aufgeklärt und bei der Betriebsratsgründung geholfen.“ Den Vorsitz des siebenköpfigen Gremiums hat Nicole Kümmel mit kurzer Unterbrechung seither inne. Doch auch wenn sie und ihre BR-KollegInnen bereits Erfolge erzielt haben wie etwa in punkto Arbeitszeitregelung, müssen sie sich doch weiterhin alles mühsam erkämpfen: „Da brauchst du ein dickes Fell: nicht nur, weil du Dinge immer wieder neu anmahnen musst – wie beispielsweise, dass wir ein Recht auf Unterrichtung und Mitbestimmung haben - , sondern auch weil du mitunter persönlich mit harten Bandagen angegangen wirst.“


Unterstützung findet die couragierte Schwäbin nicht nur bei ihrem Lebenspartner, der ebenfalls im Betriebsrat ist: „Ich habe gute Kollegen, die stehen hinter mir und trösten mich, aber innerlich brodelt es manchmal ganz schön.“


Richtig zur Sache und sogar vor das Arbeitsgericht ging es 2009: Der Arbeitgeber hatte drei Beschäftigte im Kühlraum mit versteckter Kamera gefilmt und sie des Diebstahls bezichtigt. Als diesen bei der Polizei „Beweisfotos“ vorgelegt wurden, stellte sich heraus, dass die Aufnahmen der Mitbestimmung durch den Betriebsrat bedurft hätten. Der Richter stellte klar, dass der Arbeitgeber künftig mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten müsse, ob er wolle oder nicht. Trotz dieser klaren Ansage sieht Nicole Kümmel der anstehenden Betriebsversammlung, bei der es auch um Entgeltforderungen geht, mit gemischten Gefühlen entgegen: Im vergangenen Jahr hatte ihr Chef sich hierbei derart daneben benommen, dass sie ihn schließlich des Raumes verweisen musste…(Dezember 2010)

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