Thomas Höttecke
„Eigentlich wollte ich nur ein halbes Jahr bleiben“, erinnert sich Thomas Höttecke (44), aber im Juli 2011 werde ich wohl mein 25-jähriges Dienstjubiläum bei Schulte feiern.“ Durch Zufall hatte der gelernte Bäcker 1986 davon erfahren, dass bei C. Schulte Feingebäck im ostwestfälischen Rietberg Saisonarbeitskräfte gesucht wurden.
Als er 2003 Vorsitzender des neunköpfigen Betriebsrats (BR) wurde, dachte er zunächst, es gehe auch ohne Gewerkschaft: „Aber als dann bei uns Einsparungen anstanden, da habe ich ganz schnell gemerkt, dass es ohne Gewerkschaft eben doch nicht geht. Und meine Kollegen haben gesagt, Thomas, wenn du in die NGG gehst, tun wir das auch. Und tatsächlich sind mit mir dann 35 weitere Kollegen Mitglied geworden. Und das war auch richtig so: Gemeinsam mit NGG haben wir dann einen ordentlichen Zukunftssicherungstarifvertrag abgeschlossen.“
Die Arbeit im BR, so Höttecke, sei für ihn die ideale Möglichkeit, das auszuleben, was er schon immer gewollt habe: sich für andere Menschen engagieren. Um aber nicht die Bodenhaftung zu verlieren, arbeite er weiterhin als Bäcker, könne sich aber bei Bedarf für die Betriebsratsarbeit „ausklinken“.
Seit kurzem ist der gebürtige und bekennende Sauerländer Mitglied der großen Tarifkommission für die Süßwarenindustrie: „Das ist schon eine andere Dimension: Statt über dreihundert Beschäftigte plus Saisonkräfte reden wir dort derzeit über Entgelterhöhungen und Altersvorsorge für 55.000 Menschen. Da muss man über den eigenen Tellerrand hinausschauen und kann nicht mehr alles mit allen einzeln besprechen.“
Eine weitere wichtige Erfahrung im Betriebsrat sei die, dass er sich natürlich nicht immer nur Freunde machen könne: „Das verändert einen natürlich, aber da musst du konfliktfähig sein und Fingerspitzengefühl haben. Mein Tipp an alle, die neu sind im Betriebsrat: Die Geschäftsleitung ist immer nur Verhandlungspartner, nie dein Freund. Und auch wenn man nach dem BR-I-Lehrgang glaubt, man könne die Welt verändern, belehrt einen die Realität mitunter eines Besseren.“
Abschalten von der betrieblichen Realität kann Höttecke am besten bei seiner Familie und beim Triathlon: Beim „Ironman“ in Roth bei Nürnberg hat er schon zehn Mal teilgenommen, fehlt eigentlich „nur“ noch der auf Hawaii.