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Harmoniebedürftig und hartnäckig

Ulrich Dargel

„Nächstes Jahr ist es 40 Jahre her, dass ich in die Gewerkschaft eingetreten bin“, rechnet Ulrich Dargel (53) vor. Für ihn als gelernten Starkstromelektriker „unter Tage“ bei der Ruhrkohle, war dies zunächst die IG Bergbau und Energie. 1979, als er seine Heimatstadt Kamp-Lintfort verließ, um in Krefeld als Operator in der Produktion beim Stärkehersteller Maizena (CPC) zu arbeiten, wechselte er zur Gewerkschaft NGG.

 

Der NGG, Krefeld und seinem Arbeitgeber ist Dargel bis heute treu geblieben, sein Arbeitgeber wechselte allerdings öfter den Namen beziehungsweise den Besitzer: Aus Maizena wurde Cerestar, Eridiana Beghin Say und schließlich 2002 Cargill, ein amerikanisches – nicht aktiennotiertes – Unternehmen mit weltweit 160.000 MitarbeiterInnen, davon 1.600 an 13 deutschen Standorten. Hergestellt werden Öl, Fette, Malz, Biodiesel, Pektine, Aromen und Stärke.

 

In Krefeld, dem mit 620 Beschäftigten größten Standort in Deutschland, ist Dargel seit 1991 Betriebsratsvorsitzender. Überdies sitzt er dem Gesamt- und dem Konzernbetriebsrat vor und war Mitglied in Europäischen Betriebsräten.

 

Auch wenn es bei Cargill noch keine krisenbedingten Entlassungen oder Kurzarbeit gibt: Aus Dargels Sicht sind Investitions- und Entwicklungsstopp die falschen Ansätze: „Stillstand führt zum Tod; Veränderungsprozesse müssen sein, aber sie müssen begleitet werden.“ So seien in den 1990er Jahren neue Verfahrenstechniken eingeführt worden, die letztlich auch zu einer besseren Qualifizierung der ArbeitnehmerInnen geführt haben. Nach Schließung eines Werks in Zülpich bei Aachen haben hierdurch beispielsweise 33 von 36 Beschäftigten eine neue Arbeit gefunden.

 

Dargel hält nicht viel davon, auf Konfrontationskurs mit dem Arbeitgeber zu gehen: „In Krefeld setzen wir mehr auf Konsens und Kooperation. Ich bin da harmoniebedürftig, aber ich bin auch hartnäckig – wie mein Terrier.“ Wichtig sind ihm „Zuhören, Wahrnehmen, Wertschätzen, nicht zu spontan sein, sondern lieber eine Nacht drüber schlafen und noch eine Runde mit dem Hund spazieren gehen“ und die Unterstützung durch seine Frau Marianne: „Ohne sie wäre vieles nicht möglich.“

(April 2009)

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