Prekäre Arbeit

"Ausgebeutet werden Tier und Mensch"

Kritik an den Arbeitgebern der Fleischwirtschaft

Guido Zeitler, Vorsitzender der NGG; Foto: S. Pramme

21.01.2020

Anlässlich der Grünen Woche in Berlin hat Guido Zeitler Kritik an den Arbeitgebern der deutschen Fleischindustrie geübt und strengere Kontrollen der Arbeitsbedingungen gefordert. In der öffentlichen Debatte werde oft vergessen, dass Tiere und Menschen unter dem Preisdumping der Fleischproduzenten leiden. 

„Es wird viel über Tierwohl, artgerechte Haltung oder die Auswirkungen der Fleischproduktion auf das Klima gesprochen. Das ist gut und wichtig. Dass in der deutschen Fleischindustrie auch Menschen gnadenlos ausgebeutet werden, kommt aber leider oft zu kurz. Wir müssen nicht nur über verbesserte ökologische, sondern insbesondere auch über neue soziale Standards reden.“

Die Zustände sind seit Jahren bekannt

Noch immer würden die deutschen Fleischproduzenten Werkverträge mit oft dubiosen Firmen nutzen, um ausländische Beschäftigte mit Niedrigstlöhnen abzuspeisen. Zeitler: „Wir wissen nicht erst seit den groß angelegten Kontrollen aus NRW, wie katastrophal schlecht die Arbeitsbedingungen in vielen deutschen Schlachthöfen sind. Viel zu lange Arbeitszeiten, schlechte Unterbringung, Bezahlung unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns, Verstöße gegen den Arbeitsschutz – diese Zustände sind seit Jahren bekannt, und die Arbeitgeber tun nichts, um sie abzustellen.“

Die Preise müssen rauf, die Löhne genauso.

Die deutschen Fleischproduzenten würden ihren ruinösen Preiskampf auf dem Rücken von Mensch und Tier austragen, Zeitler: „Fleisch ist zu billig. Die Preise müssen rauf, die Löhne aber genauso.“ Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner habe zwar recht, wenn sie von den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Bereitschaft erwarte, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Die Hauptverantwortung für die unhaltbaren Bedingungen in der deutschen Fleischindustrie liege aber nicht bei den Kundinnen und Kunden, sondern bei den Produzenten. So weigerten sich diese etwa seit Jahren, einen neuen Branchenmindestlohn für die Fleischwirtschaft abzuschließen. Ein einheitlicher Mindestlohn wäre das wirksamste Mittel, die massenhafte Ausbeutung zu beenden und den Preiskampf der Konzerne untereinander zu begrenzen. Das gelte allerdings nur, wenn ein solcher Branchenmindestlohn streng von den Behörden kontrolliert würde.  

Bei der „Arbeitsschutzaktion Fleischwirtschaft" im Oktober 2019 wurden in Nordrhein-Westfalen 30 Schlachthöfe mit rund 17.000 Beschäftigten von den Behörden kontrolliert. In 26 der 30 kontrollierten Betriebe wurden teils gravierende Verstöße gegen Arbeitsschutzvorschriften festgestellt. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner an die Verbraucherinnen und Verbraucher appelliert, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.

 

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