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Warnstreikwelle

Der Streit um die Lohn- und Arbeitsbedingungen der rund 2.000 Beschäftigten in der nordrhein-westfälischen Milchwirtschaft spitzt sich zu: Im Vorfeld der heutigen Tarifverhandlung gab es in dieser Woche Warnstreiks in zahlreichen Betrieben. Schwerpunkte waren in Erftstadt, Herford, Köln, Moers, Lippstadt und Gütersloh.

"EXTREM SAUER UND EXTREM STREIKBEREIT"

Nicht nur Milch kann sauer werden, sondern auch Beschäftigte. Wie hier am Montag bei Ardagh in Erftstadt (Foto), wo die Produktion komplett stillstand, haben in dieser Woche auch die Belegschaften anderer Milch verarbeitender Betriebe in Nordrhein-Westfalen für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt: aus Protest gegen die Haltung der Arbeitgeber in den laufenden Tarifverhandlungen. Thomas Gauger, Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Nordrhein-Westfalen: "Bislang haben die Arbeitgeber kein akzeptables

Verhandlungsangebot auf den Tisch gelegt – und das obwohl die Milchwirtschaft in NRW boomt. Nicht nur das Lohnangebot liegt mit 2,25 Prozent deutlich unter der NGG-Forderung von sechs Prozent. Besonders unverständlich ist, dass die Chefs der nordrhein-westfälischen Molkereien und Käsereien auf stur schalten, wenn es um die zukünftige Übernahme von Azubis nach der Lehre geht.“ Die Beschäftigten seien nicht nur extrem "sauer“, sondern - mit Blick auf einen längeren Arbeitskampf - auch „extrem streikbereit“.

1:0 FÜR MITBESTIMMUNG

Die Spielregeln der Mitbestimmung gelten auch für Essens-Lieferdienste: Das Landgericht Berlin hat festgestellt, dass die Delivery Hero AG, zu der in Deutschland die Lieferdienste Foodora, Lieferheld und pizza.de gehören, gegen das deutsche Mitbestimmungsgesetz verstößt und angeordnet, den Aufsichtsrat paritätisch zu besetzen. Die Arbeitnehmer müssen künftig mit sechs Mitgliedern im Aufsichtsrat von Delivery Hero vertreten sein. Geht doch! info

ANGLEICHUNG DER ARBEITSZEITEN UND ENTGELTE!

Gestern legten die Beschäftigten der Molkerei Hainichen-Freiberg in Sachsen für fünf Stunden die Arbeit nieder. Es ist bereits der zweite Warnstreik, mit dem sie den Arbeitgeber auffordern, endlich mit NGG einen Tarifvertrag abzuschließen. Doch der reagiert nicht. „Offensichtlich setzt der Arbeitgeber auf Konfrontation. Er verweigert den Beschäftigten einen Tarifvertrag, obwohl dieser bei etlichen anderen Molkereien völlig normal ist. Das nehmen die Beschäftigten

nicht hin. Wir wollen eine Angleichung der Arbeitszeiten und Entgelte an das Tarifniveau der Milchwirtschaft Ost", so Petra Schwalbe, Verhandlungsführerin und Vorsitzende der NGG Ost. Bereits im Oktober 2017 hatte NGG das Unternehmen zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Mit etwa 300 Beschäftigten gehört der Betrieb zu den größten der Region. Eigentümer sind das Molkereiunternehmen Ehrmann und die Käserei Champignon Hofmeister.

SCHLUSS MIT DER HINHALTETAKTIK!

Die Beschäftigten sind es leid, von ihrem Arbeitgeber Tulip Cocoa im brandenburgischen Fehrbellin hingehalten zu werden. Das haben sie am Dienstag erstmals mit einem Warnstreik zum Ausdruck gebracht. NGG hat den Hersteller von Kakaomasse bereits mehrfach zur Aufnahme von

Tarifverhandlungen aufgefordert: bislang ohne Erfolg. Klar ist: Wenn das Unternehmen, das im vergangenen Jahr vom niederländischen Konzern theobroma übernommen worden ist, sich weiterhin einem Tarifvertrag verweigert, sind die Beschäftigten zu mehr als Warnstreiks bereit.

STUDIE VERÖFFENTLICHT

Die Herstellung von Brot und Backwaren gehört - gemessen an Umsätzen, Beschäftigten und der Anzahl der Betriebe - zu den wichtigsten Teilsegmenten der deutschen Lebensmittelindustrie. Während das Bäckerhandwerk in den vergangenen Jahren immer mehr an Gewicht verloren hat, wird die Brot- und Backwarenindustrie immer bedeutsamer. Aber auch hier vollzieht sich ein tiefgreifender Strukturwandel. In der soeben veröffentlichten Studie "Branchenanalyse Brot- und Backwarenindustrie" beleuchtet die Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag von NGG aktuelle Entwicklungstrends und insbesondere die Herausforderungen des digitalen Wandels für die Beschäftigten der Branche. zur Studie

TARIFINFO 1

Zum 1. April 2018 erhöhen sich die Entgelte für die Beschäftigten der Milchwirtschaft Baden-Württemberg um 2,75 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag zur betrieblichen Altersvorsorge steigt 2018 und 2019 um jeweils 30 Euro auf dann insgesamt 760 Euro jährlich an.

TARIFINFO 2

In einer Schlichtung haben sich NGG und die Arbeitgeber des schleswig-holsteinischen Hotel- und Gaststättengewerbes am vergangenen Freitag auf folgendes Tarifergebnis geeinigt: Rückwirkend für den Zeitraum 1. April bis 31. Dezember 2017 steigen die Löhne zwischen 2,5 und 4,33 Prozent. Die Ausbildungsvergütung steigt im ersten Ausbildungsjahr auf 600 Euro, im zweiten auf 670 und im dritten auf 780 Euro im Monat. Die Tariferhöhung für 2018 wird die NGG-Tarifkommission bis September 2018 aushandeln. Parallel dazu gibt es Tarifverhandlungen über ein flexibles Arbeitszeitmodell.

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