Presse

04.03.2020

Frauen verdienen in Vollzeit 450 Euro weniger als Männer

Frauentag am 8. März: Gewerkschaft NGG kritisiert Lohnlücke

Hamburg, 4. März 2020

Sie arbeiten genauso lang, ziehen aber beim Verdienst den Kürzeren: Frauen mit einer Vollzeitstelle verdienen 454 Euro weniger im Monat als ihre männlichen Kollegen. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hin. Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Danach liegt das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen von Frauen bundesweit bei 3.014 Euro im Monat – Männer mit der gleichen Arbeitszeit kommen auf 3.468 Euro. Das macht einen Unterschied von 13 Prozent.

„Es darf nicht sein, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt noch immer so stark benachteiligt sind. Viele Unternehmen nutzen das Lohngefälle aus, obwohl sie mehr zahlen müssten“, kritisiert Claudia Tiedge, stellvertretende NGG-Vorsitzende. Besonders problematisch sei die Situation in frauendominierten Berufen – etwa im Service einer Gaststätte oder im Verkauf einer Bäckerei. Wenn hier nicht nach Tarif gezahlt werde, träfen niedrige Löhne häufig auf Teilzeitjobs und befristete Stellen. „Die Folge sind geringe Einkommen und im Alter Mini-Renten, die Frauen dann beim Amt aufstocken müssen.“

Die Gewerkschafterin verweist darauf, dass der „Gender Pay Gap“ in Deutschland deutlich über 13 Prozent liegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beläuft sich die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern auf 21 Prozent. „Die große Kluft kommt auch durch die vielen Teilzeit- und Minijobs zustande, in denen mehr Frauen als Männer arbeiten. Bei solchen Stellen sind die Löhne zugleich deutlich niedriger“, so Tiedge. Das zeige sich gerade im Gastgewerbe: Nach Angaben der Arbeitsagentur werden 62 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in der Branche von Frauen erledigt.

„Hinzu kommt, dass noch immer zu viele Frauen zu Hause bleiben – nicht zuletzt auch, weil das Ehegatten-Splitting bei der Steuer die Rollenteilung verstärkt“, so Tiedge. Mit Blick auf die Alterung der Gesellschaft und den Fachkräftemangel müssten eigentlich schon heute viel mehr Frauen ins Berufsleben einsteigen.

Die NGG fordert die Unternehmen auf, die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern in vergleichbaren Positionen zu beenden. Auch die Politik sei gefordert: „Statt immer neuer Lippenbekenntnisse zum Frauentag brauchen wir einen gesetzlichen Anspruch auf gleiches Geld für gleichwertige Arbeit, der Wirkung zeigt und in den Betrieben zwingend umgesetzt werden muss.“

 

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