Zunahme häuslicher Gewalt während des Corona-Lockdowns "Ein großes gesellschaftliches Problem, das uns alle angeht"

18. June 2020

Eine aktuelle repräsentative Online-Befragung zur „Gewalt an Frauen und Kindern in Deutschland während COVID-19-bedingter Ausgangsbeschränkungen“ belegt, dass bei Familien und Paaren, die in Quarantäne lebten oder finanzielle Sorgen hatten, es oft zu häuslicher Gewalt kam. 7,5 Prozent der Frauen in Quarantäne berichteten von Gewalt. Claudia Tiedge, stellvertretende NGG-Vorsitzende: "Die Zahlen erschrecken, doch leider wurden Frauen und Mädchen auch schon vor Corona Opfer häuslicher Gewalt. Natürlich hat die häusliche Isolation das Problem noch verschärft, aber auch wenn diese jetzt im Zuge der Lockerungen zurückgehen sollte, bleibt noch immer viel zu tun." So gebe es viel zu wenig Frauenhausplätze, Beratungsstellen seien unterfinanziert, das Angebot für Frauen in ländlichen Gebieten, Frauen mit Behinderung oder auch Frauen mit Migrationshintergrund sei oft unzureichend.

"Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein großes gesellschaftliches Problem, das uns alle angeht. Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen gerade in diesen schwierigen Zeiten in unserem eigenen Umfeld noch aufmerksamer und sensibler sein: Sei es in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz", so Tiedge. Doch auch die Politik sei gefragt, auf die massiven Folgen der Pandemie beim Thema Gewalt schnell und unbürokratisch zu reagieren. Dringend nötig seien zusätzliche Finanzmittel vom Bund. Besonders wichtig während der Corona-Pandemie sei auch der Gewaltschutz für geflüchtete Frauen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Überdies müsse der Bund in den weiteren Ausbau der digitalen Beratung investieren.

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