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Mehr Kosten, mehr Druck: NGG kritisiert Zuckersteuer-Pläne
Hamburg, 22. September 2026
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) lehnt die Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke ab. Aus Sicht der NGG wird eine solche Abgabe ihr gesundheitspolitisches Ziel verfehlen und stattdessen Beschäftigte, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die heimische Getränkeindustrie belasten.
Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie beschäftigt insgesamt mehr als 674.000 Menschen. Die geplante Steuer würde zwar unmittelbar vor allem die Getränkeindustrie treffen, hätte aber auch Auswirkungen auf vor- und nachgelagerte Bereiche. „Eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke würde zahlreiche Betriebe zusätzlich belasten“, kritisiert NGG-Vorsitzender Guido Zeitler. „Es fehlt eine belastbare Analyse der Folgen für Arbeitsplätze, Standorte, Lieferketten und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der deutschen Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion.“
Kritisch bewertet die NGG auch die sozialen Folgen. „Wer wenig verdient, gibt einen deutlich größeren Anteil seines Einkommens für den täglichen Konsum aus“, so Zeitler. „Eine Zuckersteuer würde ausgerechnet jene Haushalte zusätzlich belasten, die bereits besonders stark unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten leiden. Bestehende soziale Ungleichheiten würden dadurch weiter verschärft.“
Die Idee für die neue Steuer stammt aus den Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit (FKG) vom 30. März 2026. Diese schlägt einen Steuersatz von 26 Cent pro Liter für Getränke mit einem Zuckergehalt von 5 bis 8 Gramm pro 100 Milliliter sowie einen Steuersatz von 32 Cent pro Liter für Getränke mit einem Zuckergehalt von mehr als 8 Gramm pro 100 Milliliter vor.
Die geplante Steuer bedeutet einen tiefen Griff in die Taschen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Je nach Zuckergehalt könnte sich ein Getränkekasten (12 mal 1 Liter) um ca. vier bis fünf Euro verteuern. Ein Beispiel: Ein Limonaden-, Spezi- oder Softdrinkkasten für derzeit 12,99 Euro mit 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter könnte künftig 17,56 Euro kosten. Das entspräche einer Preissteigerung von 35 Prozent.
Die NGG wertet die Pläne der Bundesregierung vor allem als Versuch, Lücken im Bundeshaushalt zu schließen. „Statt die Verbraucherinnen und Verbraucher zu belasten, sollte die Bundesregierung endlich hohe Erbschaften stärker besteuern und die Wiedereinführung der Vermögensteuer in den Blick nehmen“, erklärt Zeitler. „Damit ließen sich Mehreinnahmen erzielen, ohne die breite Bevölkerung zusätzlich zur Kasse zu bitten.“
Die NGG unterstützt ausdrücklich das Ziel einer gesunden Lebensweise und Ernährung. Statt Lenkungssteuern fordert sie eine stärkere Ernährungsbildung in Kitas und Schulen, bessere Informations- und Aufklärungsangebote sowie ein kostenfreies und qualitativ hochwertiges Kita- und Schulessen. „Das ist wirksamer und sozial gerechter als neue Belastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher“, betont Zeitler. „Die Menschen haben die Preissteigerungen der vergangenen Jahre längst im Geldbeutel zu spüren bekommen. Zusätzliche Belastungen an der Ladenkasse sind das falsche Signal.“
Berechnungsgrundlage für einen Kasten Softdrinks mit 9 g Zucker pro 100 ml (Steuersatz: 32 Cent pro Liter):
12 Liter × 0,32 € = 3,84 €
zzgl. 19 % Mehrwertsteuer:
3,84 € × 1,19 = 4,57 €
Verteuerung pro Kasten: 4,57 €
Kontakt für die Presse
Dirk Herzog, NGG-Pressesprecher
Telefon: 040 380 13 106, Mobil: +49 151 61085042, E-Mail: presse@ngg.net