You are here:
Elterngeld: Familien brauchen mehr als Symbolpolitik
Die Bundesregierung hat die ursprünglich geplante Kürzung des Elterngeldes von 14 auf 12 Monate zurückgenommen. Das ist ein wichtiges Signal und zeigt, dass die Kritik von Gewerkschaften, Familienverbänden und vielen Eltern Wirkung entfaltet hat. Künftig soll es jedoch nur für einen Teil der Bezugszeit einen höheren Einkommensersatz geben, bevor dieser auf 50 Prozent absinkt. Gleichzeitig soll der Höchstbetrag lediglich von 1.800 auf 1.900 Euro steigen, der Mindestsatz von 300 auf 330 Euro pro Monat.
„Die Rücknahme der geplanten Kürzung der Bezugsdauer ist richtig. Aber die Korrektur eines Fehlers macht noch keine gute Familienpolitik“, sagt Claudia Tiedge, stellvertretende Vorsitzende der NGG. „Wer nach acht Monaten nur noch 50 Prozent Einkommensersatz erhält, braucht echte Alternativen. Solange Kitaplätze fehlen, führt finanzielle Unsicherheit nicht zu mehr Partnerschaftlichkeit, sondern zu mehr Druck auf Familien. Und eine Erhöhung des Höchstbetrags um gerade einmal 100 Euro nach fast 20 Jahren ohne echte Anpassung an die Preisentwicklung ist kein großer Wurf. Hier besteht weiterhin erheblicher Nachbesserungsbedarf.“
Das Elterngeld wurde 2007 eingeführt. Seitdem sind die Lebenshaltungskosten erheblich gestiegen. Aus Sicht der NGG reicht die nun geplante Anhebung deshalb bei weitem nicht aus, um die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre auszugleichen.
„Wer mehr Partnerschaftlichkeit und mehr Gleichstellung will, muss die Lebensrealität von Eltern ernst nehmen und für verlässliche finanzielle Absicherung sorgen“, betont Tiedge. „Noch immer übernehmen Frauen den größten Teil der Sorgearbeit und tragen die größten finanziellen Risiken. Familienpolitik darf deshalb nicht auf dem Rücken von Frauen gemacht werden. Gute Familienpolitik schafft echte Wahlfreiheit und ermöglicht eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit.“