Energiekosten Wer vom "Entlastungspaket" profitiert

07. April 2022

Die Preise für Energie, aber auch für Lebensmittel und vieles andere, steigen. Die Bundesregierung hat Ende März ein Entlastungspaket angekündigt. Mit mehreren Maßnahmen sollen die Menschen von den finanziellen Folgen der starken Preisanstiege für Kraftstoff, Gas und Strom entlastet werden. Wie die einzelnen Maßnahmen konkret umgesetzt werden sollen, ist noch nicht in alle Fällen entschieden. Hier erfährst du, was u.a. bislang bekannt ist.

300 Euro "Energiepreispauschale": Diese Entlastung soll es nicht für alle Personen, sondern nur für alle einkommensteuerpflichtigen Erwerbstätigen (Steuerklassen 1 bis 5), geben. Die Energiepreispauschale wird als einmaliger Zuschuss zum Entgelt ausgezahlt. Die Auszahlung erfolgt über die jeweiligen Arbeitgeber mittels der Gehaltsabrechnung.

Unklar ist beispielsweise noch, ob auch Auszubildende und Studierende, die einem Nebenjob nachgehen, die Energiepreispauschale erhalten werden (mehr Infos).

Nach den derzeit vorliegenden Informationen gehen Rentnerinnen und Rentner leer aus.

Gleiches gilt für Schülerinnen und Schüle, Studierende ohne steuerpflichtige Einkünfte und Minijobberinnen und Minijobber. Auch sie werden voraussichtlich nicht von der Energiepreispauschale profitieren.

Wichtig: Die Energiepreispauschale unterliegt nicht der Sozialversicherungspflicht, muss aber versteuert werden. Je nach Steuersatz wird der Netto-Entlastungsbeitrag deshalb geringer als 300 Euro ausfallen.

Was gilt für Familien?

Pro Kind sollen Familien einmalig 100 Euro zum Kindergeld erhalten. Der Kinderfreibetrag wird jedoch nicht erhöht und die 100 Euro Einmalzahlung werden darauf angerechnet.

Der bereits zum Jahresanfang geplante Zuschuss von 100 Euro für Empfänger*innen von Sozialleistungen wird auf 200 Euro erhöht. Die Zahlung soll mit dem Regelsatz ausgezahlt werden. Ein genaues Datum dafür steht jedoch noch nicht fest.

Weitere Hilfen bekommen bedürftige Familien durch die von der Bundesregierung beschlossenen Einführung eines Sofortzuschlages für Kinder. Sie sollen zum 1. Juli monatlich 20 Euro Zuschuss pro Kind erhalten. Zudem soll der Zugang zu Hartz 4-Leistungen bis Ende 2022 erleichtert bleiben.

Menschen, die mindestens einen Monat im Zeitraum von Oktober 2021 bis März 2022 Wohngeld bezogen haben, bekommen einen Heizkostenzuschuss. Gleiches gilt für Auszubildende, die Berufsausbildungsbeihilfe oder Ausbildungsgeld nach dem Sozialgesetzbuch erhalten haben und außerhalb der elterlichen Wohnung leben.

Der bereits im Februar beschlossene Heizkostenzuschuss wurde aufgrund der zunehmenden Preissteigerung verdoppelt. Für Wohngeldhaushalte wird der Heizkostenzuschuss nach Haushaltsgröße gestaffelt:

  • bei einer Person 270 Euro
  • bei zwei Personen 350 Euro
  • für jede weitere Person 70 Euro

Für BAföG-Empfänger, für Aufstiegsgeförderte mit Unterhaltszuschuss sowie für Auszubildende mit Beihilfe oder Ausbildungsgeld, beträgt der Heizkostenzuschuss einheitlich 230 Euro.

Der Heizkostenzuschuss soll ausgezahlt werden, ohne dass ein gesonderter Antrag gestellt werden muss. Der Zuschuss soll im Sommer gezahlt werden, wenn in der Regel die Heizkosten- oder Nebenkostenabrechnungen anstehen.

Die Pendlerpauschale wird rückwirkend zu Beginn dieses Jahres angepasst: Sie steigt von 35 auf 38 Cent/Kilometer, sofern ein einfacher Weg zur Arbeit mindestens 21 Kilometer lang ist.

Zudem können höhere Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden.

Deutschlandweit soll es möglich sein, für 9,00 Euro pro Monat öffentliche Busse und Bahnen zu nutzen. Diese besonderen Ticketpreise sollen für 90 Tage gelten. Wie diese Maßnahme konkret umgesetzt werden soll, ist derzeit unklar.

Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe: Für die Dauer von drei Monaten soll die Energiesteuer 30 Cent weniger für Benzin und 14 Cent weniger für Diesel betragen. 

Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022: Dadurch spart ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 6.000 Kilowattstunden 133 Euro.

Höherer Grundfreibetrag: Der steuerfreie Anteil des Einkommens steigt von derzeit 9.984 Euro um 363 Euro auf 10.347 Euro.

Das sagt die Wissenschaft: Wissenschaftler*innen der Hans-Böckler-Stiftung haben das Entlastungspaket der Bundesregierung untersucht. Ihr Fazit: Die Maßnahmen sind weitgehend sozial ausgewogen, aber es gibt deutlichen Spielraum für Verbesserungen. Insbesondere werden Rentnerinnen und Rentner und Menschen mit sehr niedrigen Einkommen benachteiligt. Mehr Infos