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Die gesetzliche Rente ist viel stabiler als ihr Ruf
Von Teilen der Politik und von Arbeitgeberseite wird die gesetzliche Rente immer wieder schlechtgeredet – meist mit dem Hinweis, sie sei angesichts des demografischen Wandels auf Dauer nicht finanzierbar. Ein Blick auf die Zahlen und Daten zeichnet jedoch ein anderes Bild: Die gesetzliche Rentenversicherung steht heute stabiler da, als viele ihrer Kritiker behaupten. Das belegt eine aktuelle Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI der Hans-Böckler-Stiftung (Grafiken siehe am Textende).
Weniger Belastung trotz mehr Rentnerinnen und Rentnern
Entscheidend sei danach nicht die absolute Höhe der Rentenausgaben, sondern ihr Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Während die Rentenausgaben 1997 noch 10,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachten und 2003 bei 10,4 Prozent lagen, sank der Anteil 2024 auf 9,3 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Rentenbeziehenden um mehr als drei Millionen Menschen. Auch die Beitragssätze sprechen gegen das Krisenszenario: Sie sanken von 20,3 Prozent Ende der 1990er Jahre über 19,9 Prozent Ende der 2000er Jahre auf heute 18,6 Prozent.
„Als NGG werden wir uns weiterhin für eine sichere gesetzliche Rente einsetzen. Gerade für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ist und bleibt sie die wichtigste Garantie gegen Altersarmut“, sagt der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler mit Blick auf die bevorstehende Reform des Rentensystems, die gerade von einer dafür eingesetzten Kommission erarbeitet wird. Gleichzeitig sei eine gute betriebliche Altersversorgung als zweite Säule der Alterssicherung unverzichtbar. Diese könne jedoch nur funktionieren, wenn auch die Arbeitgeber ihren Beitrag leisten und sich finanziell daran beteiligen.
Verlässliche Renditen über Generationen hinweg
Laut WSI profitiert auch gerade die junge Generation von einer Stärkung der gesetzlichen Rente. Die Analyse des WSI dokumentiert, dass die Rentenzahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung der jungen Generation genauso wie älteren Versicherten gleichermaßen eine positive interne Rendite auf ihre eingezahlten Beiträge bieten: Die nominale Rendite liegt für Männer seit Jahrzehnten stabil zwischen 3,1 und 3,3 Prozent, für Frauen zwischen 3,6 und 3,8 Prozent. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters oder ein sinkendes Rentenniveau würden diese Werte eher verschlechtern als verbessern, prognostiziert das WSI.
Was in der aktuellen Debatte oft untergeht: Von einem stabilen Rentenniveau profitieren nicht nur die heutigen Rentnerinnen und Rentner. Die Sicherung der Haltelinie bei 48 Prozent bis 2031 erhöht die Rendite der gesetzlichen Rente für alle Generationen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die NGG fordern deshalb, das Rentenniveau schrittweise wieder auf 53 Prozent anzuheben – also auf das Niveau, das die gesetzliche Rente über Jahrzehnte ausgezeichnet hat.
Die gesetzliche Rente ist kein Auslaufmodell
Die NGG wird sich weiterhin für eine stabile gesetzliche Rente stark machen. Sie ist kein Auslaufmodell, sondern ein tragfähiges solidarisches System. Im Gegensatz zu Spekulationsprodukten am Finanzmarkt, die mit hohen Risiken für die Menschen behaftet sind, hat sich die Finanzierung im Umlageverfahren der gesetzlichen Rente trotz des demografischen Wandels robuster entwickelt als oft dargestellt. Entscheidend sei, eine breite Beitragsbasis und eine gerechte Verteilung sicherzustellen. Dann bleibe die gesetzliche Rente auch künftig verlässlich, so Zeitler.